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20 Jahre Störenfried  E-Mail
Donnerstag, den 21. April 2011 um 13:48 Uhr

Gedanken zum Jubiläum der FW - Von Michael Hauke

Ein Lieblingskind der Lokalpolitik sind wir in den vergangenen zwei Dekaden nun wirklich nicht geworden, aus Sicht der Verantwortlichen in der Verwaltung wohl eher ein Störenfried.
Dafür fanden unsere Leser, um die es ja letztlich geht, bei uns immer die spannenderen, manchmal auch polemischeren Artikel. Erinnern Sie sich noch, als wir das Bauloch in „Reimkuhle" umtauften und jede Ausgabe die nicht aufhören wollenden Tage des Fürstenwalder Loches zählten? Oder noch weiter zurück an die Serie „Das Starke Stück"? So richtig unbeliebt bei den Stadtvorderen wurden wir aber erst, als wir die Gewerbetreibenden in der Eisenbahnstraße bei der Forderung nach Privatisierung des städtischen Kaufhauses unterstützt haben.
Angepasst wollten wir nie sein, nicht im Format und nicht im Inhalt. Auch die großen Fotos von essenden, trinkenden, feiernden Menschen haben wir gemieden.
Wir haben gern die guten Nachrichten verbreitet, von denen es in den letzten zwanzig Jahren mehr als genug gab. Aber wir haben auch immer den Finger in die Wunde gelegt. Die engagierte Begleitung des Themas CO2-Verpressung fand Wiederklang bei der Bevölkerung, aber auch bei den Politikern - allerdings in genau entgegengesetzter Richtung.
Am 4. April 1991 erschien die erste Ausgabe der FW mit dem Titel: Aus ,Wiener Café' wird Super-Disco - Millionenprojekt an der Ernst-Thälmann-Straße.
Die Straße heißt seit Ewigkeiten Eisenbahnstraße und aus der Super-Disco wurde ein Riesen-Flop. Heute beherbergt die damals noch nicht errichtete Immobilie die Firma Norbert Schmidt Hausverwaltung GmbH und die W.C. Lounge von Thomas Mewes. Wir sitzen inzwischen genau gegenüber, nachdem wir in der Friedrich-Engels-Straße 5a/Ecke Max-Behnke-Straße (heute Robert-Havemann-Straße) angefangen hatten. Los ging es übrigens ganz ohne Büro, von zu Hause aus, da es kaum Gewerberaum gab, und ohne Telefon. Der Telefonanschluss kam ein Jahr später. Ein Zeitungsverlag ohne Internet, Handy und Festnetz - heute undenkbar, damals nicht weiter schlimm.
Schlimm war der Tod meines Partners Andreas Baucik, der ein gutes Vierteljahr nach der ersten Ausgab bei einem Autounfall tödlich verletzt wurde. Im Alter von 25 Jahren. Allein hätte ich den Verlag nicht gegründet. Ohne ihn hätte es die FW also nicht gegeben.
Heute - 20 Jahre später - ist der Hauke Verlag mehr als nur die FW. Es gehören drei weitere Zeitungen dazu und zwei TicketCenter. Die Vorverkaufsstellen haben wir erst vor einem Jahr eröffnet. Die Grundidee war, unseren Lesern einen weiteren Service anzubieten. In Verknüpfung mit der Zeitung und der Webseite hauke-verlag.de sollte den Lesern ein erweitertes Angebot zur Verfügung gestellt werden. Da man beim Kauf von zwei Eintrittskarten bei uns aber rund 10 Euro gegenüber der Internetbestellung spart, hat sich unser TicketCenter sehr schnell etabliert. Pro Monat gehen in Erkner und Fürstenwalde knapp tausend Eintrittskarten über den Schalter. Bei allem Optimismus, aber damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.
In diesem Jahr feiern nicht nur wir unser 20jähriges Bestehen, auch viele andere Händler und Dienstleister sind nun 20 Jahre oder länger am Markt. Viele haben uns (und wir sie) als Anzeigen- oder Beilagenkunden über die vielen Jahre begleitet. Dafür möchten wir uns sehr herzlich bedanken. Unsere Leser, die die Zeitung in sehr großen Zügen durch ihre Briefe und Mitteilungen mitgestalten, haben der FW ein spannendes, vielleicht sogar unverwechselbares Profil gegeben. Im E-Mail-Zeitalter noch stärker als früher. Auch wenn wir selbst eine klare Position haben, so sehe ich es als unsere Verpflichtung an, ein breites Spektrum abzubilden und auch unangenehmen Meinungen, die nicht die unseren sind, zur Veröffentlichung zu verhelfen. Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Wir stehen als Medium in einer verantwortungsvollen Position, auch wenn es nur im Kleinen ist.
Da fällt mir ein, dass es erst ein gutes Jahr her ist, dass der Bürgermeister die Verteilung der FW stoppen lassen wollte - wegen eines mitverteilten Flugblattes zur Bürgermeister-Stichwahl. Es gibt eben Unterschiede in der Bewertung dieses Gutes. „Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen." Das war alter preußischer Geist, hier geäußert von Voltaire. Aber seitdem sind noch mehr als zwanzig Jahre vergangen...
Mit einem herzlichen Dankeschön an unsere Anzeigen- und TicketCenter-Kunden, an unsere fleißigen Boten und unsere kritischen Leser freue ich mich auf die nächsten ereignisreichen Jahre.

 
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