Startseite Aktuelles Jeder blamiert sich so gut er kann
Jeder blamiert sich so gut er kann  E-Mail
Freitag, den 10. Juni 2011 um 14:22 Uhr

Über die Rolle des Ersten Beigeordneten bei der Entlassung des Feuerwehrchefs

„Das ist Balsam auf meine Seele", sagte Marion Römer, Vorsitzende des Fürstenwalder Feuerwehrvereins gegenüber der FW. Und Detlef Korn, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes LOS, sagt auf der Internetseite des KFV: „Über dieses Ende freue ich mich persönlich sehr und wünsche dem Kameraden Müller im Namen des KFV LOS e.V. alles Gute für seine zukünftige Arbeit." Auf der Seite des Landesfeuerwehrverbandes Brandenburg heißt es: „Kameradinnen und Kameraden aus verschiedenen Bereichen der Brandenburger und Berliner Feuerwehr, Freunde, aber auch Vertreter des Feuerwehrverbandes freuen sich über die klare Entscheidung des Gerichts."
Die Stadt Fürstenwalde ist vor dem Arbeitsgericht Frankfurt (Oder) mit ihrer fristlosen Entlassung des Fürstenwalder Feuerwehrchefs Jörn Müller grandios gescheitert. Die Stadtverwaltung hatte ihrem Feuerwehrchef zweifache Unterschlagung vorgeworfen. Jeweils im Herbst 2006 und im Herbst 2008 soll er Geld für Helme und einen Traktor nicht weitergeleitet haben. Das Arbeitsgericht dazu: „Für die Kündigung (...) müsste ein dringender Verdacht bestehen, dass er ein Vermögensdelikt begangen hat. Voraussetzung dafür wäre, dass objektive Tatsachen schwerwiegende Verdachtsmomente bilden. Nach Meinung des Gerichts ist dies nicht der Fall."
Offensichtlich hat man gezielt gesucht, um Jörn Müller etwas anzuhängen. Das sogenannte Pfandbonurteil, bei dem es um wesentlich weniger Geld ging, scheint die Stadt motiviert zu haben, im Januar dieses Jahres zuzuschlagen (die FW berichtete).
Aber wieso sollte Müller gehen, weshalb konstruierte die Stadt Kündigungsgründe gegen den Leiter der Fürstenwalder Feuerwehr?
Es könnte so gewesen sein: Der derzeitige Erste Beigeordnete der Stadt Fürstenwalde, Eckhard Fehse, war im Jahre 2010 Beigeordneter im Landratsamt. In seinen Zuständigkeitsbereich fiel auch die Feuerwehr. Und hier kam es zum Skandal: Die lebenswichtigen Atemschutzmasken wurden durch Schlamperei nicht gewartet, so dass sie teilweise nicht funktionsfähig waren, im Ernstfall eine tödliche Falle für Feuerwehrmänner im Einsatz. Jörn Müller organsierte unbürokratisch die Instandsetzung der Geräte. Im Anschluss kam es zu einem Untersuchungsausschuss im Kreistag. Der Beigeordnete im Landratsamt war blamiert. Dabei wollte er doch Landrat werden. Er unterlag aber dem Amtsinhaber Zalenga. Seine Niederlage wurde auch darauf zurückgeführt, dass er seine Behörde bei der Atemschutzmasken-Affäre nicht im Griff hatte.
Nach seiner Niederlage bei der Landratswahl heuerte der SPD-Politiker als Erster Beigeordneter bei der Stadt Fürstenwalde an. Und in seinen Aufgabenbereich fällt wieder die Feuerwehr.
Ein gutes halbes Jahr nach seiner Wahl zum Fürstenwalder Beigeordneten wurde Müller erst suspendiert. Bürgermeister Hengst, mit dessen Rückendeckung Müller fristlos gekündigt wurde, dementierte zuerst die Suspendierung und erkläre, Jörn Müller sei krankgeschrieben. Nach der Suspendierung (Hengst: „Krankschreibung") wurde Müller dann gefeuert.
Das Arbeitsgericht in Frankfurt veranlasste nun, dass Müller wieder eingestellt werden musste und ihm die entgangenen Gehälter nachgezahlt werden müssen.
Wieder ist der Beigeordnete - diesmal nicht beim Landkreis, sondern bei der Stadt - blamiert.
Den Feuerwehrchef schickte sie nach seinem Sieg vor Gericht in den Urlaub. Ob man Urlaub zwangsweise anordnen kann, muss noch geklärt werden. Bis zum 27. Juni wird Jörn Müller an seinen Arbeitsplatz jedoch nicht zurückkehren. Wie es dann weitergeht: Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Michael Hauke
(Sie erreichen den Autor unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )
 
Template by Genesis Nova © 2008 | CSS 2.1 | XHTML 1.0