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Interview mit dem Bürgermeister von Woltersdorf
Seit der Bürgermeisterwahl vor einem Dreivierteljahr ist Dr. Rainer Vogel Chef der Verwaltung der Randberliner Gemeinde. Wir trafen den BM zu einem Interview über die Flugrouten, den Straßenausbau und den Bau der neuen Sporthalle. Kümmels Anzeiger: Herr Dr. Vogel, warum ist Ihr Antrag auf Aufnahme der Gemeinde Woltersdorf in die Fluglärmkommission vom Landesminister für Infrastruktur abgelehnt worden? Dr. Rainer Vogel: Das Ministerium in Potsdam hat erklärt, dass Woltersdorf über 20 km vom neuen Großflughafen entfernt liege und damit der Ort zu weit weg und die Flugzeuge zu hoch seien. Nach meinen Berechnungen liegt Woltersdorf allerdings nur 16 bis 17 Kilometer von BBI entfernt. Kümmels Anzeiger: Wie stark wird Woltersdorf vom Lärm der Maschinen, die in BBI starten und landen, betroffen sein? In welcher Höhe wird Ihre Gemeinde überflogen? Dr. Rainer Vogel: Nach offiziellen Angaben werden wir in über 2000 Metern Höhe überflogen. Nach meinen Berechnungen hängt das allerdings von den einzelnen Maschinen ab und liegt oft deutlich darunter. Hinzu kommt, dass startende Flugzeuge schon wesentlich höher sind als landende. Dennoch ist der Fluglärm etwa gleich, da startende Flugzeuge vollen Schub haben und bei Landungen mit wesentlich geringerer Motorleistung geflogen wird. Kümmels Anzeiger: Von Starts ist Woltersdorf bisher praktisch nicht betroffen... Dr. Rainer Vogel: Das ist richtig. Da der Wind sehr häufig von Westen kommt, gehen die Starts meist nicht in unsere Richtung. Die Situation bei Landungen wird vergleichbar bleiben. Allerdings liegt die neue Start- und Landebahn rund 1.700 Meter weiter südlich als die bisherige Nordbahn. Daraus ergeben sich klare Forderungen: Die Nordbahn, von deren Lärm viel mehr Menschen betroffen sein werden - auch die Einwohner von Woltersdorf - darf nur zu absoluten Stoßzeiten benutzt werden. Hinzu kommt, dass ein rigoroses Nachtflugverbot von 22:00 bis 6:00 Uhr durchgesetzt werden muss. Wenn das so geschieht, können wir in Woltersdorf gut mit dem neuen Flughafen leben. Kümmels Anzeiger: Die Belastung der Woltersdorfer ist zur Zeit sehr unterschiedlich. Dr. Rainer Vogel: Das stimmt. Im Schleusengebiet war es schon immer lauter, da die Flugzeuge dort direkt darüber fliegen. In 500 Meter Entfernung ist die Wahrnehmung eine ganz andere. Da liegen Welten zwischen. Wenn der Flughafen 2012 eröffnet, dürfte es für alle Woltersdorfer erst einmal besser werden, denn die gegenwärtig genutzte Nordbahn wird dann komplett saniert. Das kann einige Jahre dauern. Von der Südbahn wird die Gemeinde nicht derart betroffen sein. Es bleibt dabei: Schönefeld ist der falsche Ort für einen solchen Großflughafen. Daher muss es Ziel sein, dass sich der Flughafen durch ein rigoroses Nachtflugverbot an dieser Stelle nicht rechnet und in 40, 50 Jahren an einer geeigneteren Stelle ein neuer Airport entsteht. Da haben die jetzt lebenden Menschen allerdings nicht viel von. Kümmels Anzeiger: Zu einem anderen Thema. Schule und Hort liegen an der Weinbergstraße, die eine Sandpiste ist und sich in wirklich katastrophalem Zustand befindet. Dr. Rainer Vogel: Der Vorschlag der Verwaltung für den Ausbau der Weinbergstraße sieht so aus, dass die Straße ab der Seestraße und bis zur Winzerstraße ausgebaut werden soll. Dabei würde die Winzerstraße eingeschlossen werden, so dass die Straßen in Form eines rechten Winkels saniert werden würden. Der Bereich vor dem Campus von Schule und Hort würde verkehrsberuhigend ausgebaut werden. Wie der Bereich eines Tages aussehen wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Die Gemeindevertretung wird dazu im März, April abschließend entscheiden. Es wird allerdings knapp, den Baubeginn noch in diesem Jahr zu schaffen. Kümmels Anzeiger: Ein anderes Projekt für die nähere Zukunft ist der Bau der Sporthalle im Sportpark an der Hochlandstraße. Wird das was? Dr. Rainer Vogel: Auf jeden Fall! Wir haben 100.000 Euro für die Planung im Haushalt eingestellt, damit es erst einmal weitergehen kann. Wie bei jedem Bauvorhaben kamen einige unvorhersehbare Kosten dazu. Das Projekt wäre allerdings tatsächlich gar nicht machbar, hätten wir nicht so viele Mehreinnahmen im letzten Jahr gehabt. Die Gewerbesteuer war im letzten Jahr deutlich höher und die Gemeinde hat aufgrund der bevorstehenden Erhöhung der Grunderwerbssteuer sehr viele Grundstücke verkaufen können. Das sind Einmaleffekte. Kümmels Anzeiger: Sind denn so hohe Kosten nur für die Planung gerechtfertigt? Es sind ja schon mal 60.000 Euro für die Planung ausgegeben worden. Dr. Rainer Vogel: Die Planungskosten sind angemessen. Kümmels Anzeiger: Was halten Sie davon, dass bürgerschaftliche Engagement der Woltersdorfer herauszufordern und symbolisch Steine für die Halle zu verkaufen? Dr. Rainer Vogel: Das wäre allerdings sehr hilfreich. Die Halle kommt auf jeden Fall. Mit einer solchen Steine-Aktion dann wahrscheinlich auch schon 2013. Sonst wird die Halle 2014 stehen, wenn nicht wieder unvorhergesehene Ausgaben auf uns zukommen, die mit der Sporthalle selbst nichts zu tun haben, wie zum Beispiel das Abpumpen der überfluteten Waldstraße, das die Gemeinde 31.000 Euro gekostet hat. Oder das undichte Dach auf dem Flachbau der Schule, das für 117.000 Euro repariert werden musste. Außerdem werden auch bei der Halle noch einige Kosten dazukommen. Die Außenanlagen sind noch gar nicht mit eingerechnet. Kümmels Anzeiger: Wie teuer wird die neue Sporthalle denn insgesamt? Dr. Rainer Vogel: In der ersten Planung war ein Kostenrahmen von 2,5 Millionen vorgesehen. In der jetzt anstehenden, konkreten Planung kann sich das natürlich nochmal verändern, und dazu kommen auf jeden Fall noch Kosten für die Innenausstattung und die Außengestaltung. Am Ende des Jahres wissen wir mehr. Auch bei der Alten Schule sind noch einige Unwegbarkeiten aufgetreten. Bei der Sanierung eines Altbaus kann man immer wieder überrascht werden. Das Gespräch im Woltersdorfer Rathaus führte Michael Hauke.
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