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Knaupps Kolumnen

... die Nase voll

Angefangen hat alles ganz profan. Eine mir namentlich bekannte Kollegin konnte sich, bezüglich des prägnanten Datums, nicht zügeln und offerierte mir freudestrahlend: „ Du Jan, in einem Monaten ist Heiligabend". Nun, wer mich ein wenig kennt, oder wer die FW schon längere Zeit abonniert hat, der weiß, daß man mir mit solchen Verbalattacken einen Schrecken einjagen kann. Nicht, daß ich etwas gegen diese Festivität hätte, vielmehr geht mir das ganze vorherige Gedöns um die Feiertage ganz schön auf den Senkel. Aber deshalb habe ich keine Angst. An meinem Peingefühl sind finstere Mächte schuld. Mächte, die mir E-mails schreiben. Ja, Sie haben richtig gelesen - ich habe Drohungen per Mail bekommen. Dabei habe ich mich gefreut, als mir im Posteingang zwei neue Nachrichten angezeigt wurden. Oft sind diese Nachrichten ja auch interessant, informativ oder gar erfreulich. Informierend waren sie auch, doch diesmal machten sie mir Angst. Sie wollen wissen, was da drin stand? Nun gut, Ihnen kann ich es ja sagen. Also, in der ersten Nachricht wurde mir mitgeteilt, daß ich zu Weihnachten Besuch bekomme - vorausgesetzt, ich nutze meine Chance. Nee, da kommt dann nicht etwa jemand, den ich kenne, mich besucht eine wildfremde Person. Hier die „Frohe Botschaft":
"Weihnachten kann wieder schön werden - seriöse Singles für ein Fest zu zweit!
Trotz aller Kommerzialisierung bleibt Weihnachten das Fest der Liebe: Liebe zu geben und Liebe zu empfangen, ist vielleicht das allerschönste Weihnachtsgeschenk. Gemeinsam Plätzchen zu backen und den Tannenbaum zu schmücken, sich mit einer Kleinigkeit zu beschenken und danach zu zweit mit einer Thermoskanne Glühwein im Schnee spazieren zu gehen - was kann es Schöneres geben? Nutzen Sie ihre Chance, melden Sie sich kostenlos an - und Weihnachten wird auch für Sie ein Fest der Freude."
Können Sie jetzt verstehen, warum ich so erschrocken bin? In meinem ganz privaten, ganz geheimen Internetbriefkasten so eine Nachricht! Ich soll die Chance nutzen, um mit einer wildfremden Person Plätzchen zu backen, unseren Baum zu schmücken und in der Kälte glühweintrunken durch den Matsch latschen? Sind die bekloppt? Nee, da mach ich nicht mit. Nicht mal, wenn es Geschenke gibt. Und überhaupt, wie soll ich denn meiner Familie erklären, daß der seriöse (ominöse) Single mit mir ein „Fest zu zweit" feiern will, um mir dann seine Liebe zu schenken?
Nachdem ich dieses zweifelhafte Angebot zum Löschen freigegeben hatte, öffnete ich die zweite Nachricht. Und Sie werden es nicht glauben - wieder Angst! Diesmal stellte man mich vor die Tatsache, daß Besuch kommen würde - auch ohne mein Einverständnis. Ich habe nicht einmal die Möglichkeit herauszufinden, ob es sich um einen weiblichen Gast oder etwa um ein Mannsbild handelt. Fakt ist aber, die Person hat „Dreck am Stecken". Wie wäre es denn sonst zu erklären, daß der Name bzw. die ganze Nachricht verschlüsselt wurde? Aber lesen Sie selbst:
"KDE 4.1.3 kommt zu Weihnachten!"
Um mehr Zeit zu haben, KDE 4.0 stabiler zu machen, wurde der Termin um zwei Monate verschoben. Es bleibt jedoch beim "Feature Freeze", was bedeutet, dass die zusätzliche Zeit tatsächlich nur zur Fehlerbereinigung genutzt werden soll. Die Entscheidung, KDE 4.0 um zwei Monate zu verschieben, geht einher mit dem Plan, zwei zusätzliche Beta-Versionen der Unix- und Linux-Desktop-Oberfläche zu veröffentlichen. Anfang Dezember 2007 sollen zwei Release Candidates herausgegeben werden, bevor dann für den 20. Dezember 2007 die Veröffentlichung der fertigen Version ansteht. Da nicht vom "Feature Freeze" abgewichen wird, soll die Zeit vor allem genutzt werden, um weiter an den neuen Funktionen wie Plasma, Solid und Phonon zu arbeiten. Durch die Entscheidung, KDE 4.0 zu verschieben, wird auch keine der großen Distributionen die neue Desktop-Oberfläche bei den anstehenden Versionen mitliefern können. Das Fedora-Projekt hat bereits angekündigt, KDE 4.0 erst in Fedora 9 zu integrieren. OpenSuse 10.3 und Kubuntu 7.10 sind damit ebenfalls zu früh dran."
Na, jetzt hat es Ihnen wohl auch die Sprache verschlagen?! Sie haben wohl gedacht, ich spinne? Doch die Realität ist grausam. KDE 4.0 kommt Weihnachten - zu mir. Ich muß mich schützen. Das ist doch bestimmt ein Terrorist, ein Schläfer, ein feindlicher Agent - halb Mensch, halb Maschine. Was meinen die mit Fehlerbereinigung, wer sind die Reläse Kandidaten und was verbirgt sich unter diesem geheimen Fedora-Projekt? Und wer, verdammt noch mal, ist diese OpenSuse und der Herr Kubuntu? Kommen die Weihnachten etwa zu dritt? Dann reicht meine Festtagsgans ja hinten und vorne nicht. Wo sind die Terroristenjäger vom Staatsschutz, wenn man sie braucht?
Moment mal, ich bekomme schon wieder ein Nachricht. Wie, was ist das denn?
„Unser Weihnachtsangebot für Sie: String-Tanga für den Herren - schon ab 1.99 Euro."
Na toll. Erst wollen die mir einen liebeshungrigen Single überhelfen, dann soll ich drei potentiellen Terroristen Weihnachtsquartier bieten und als ob das nicht schon genug wäre, soll ich während der Feiertage auch noch in einem minimalistischen Pornoschlüpfer durch die Gegend springen. Mir reicht's. Noch zwei Monate bis Weihnachten - und ich habe jetzt schon die Nase voll.