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Knaupps Kolumnen

Hundehoden-Prothese

Mann, gibt es Spinner. Nein, ich meine nicht die, die uns ab und zu im alltäglichen Leben begegnen, ich meine so ein paar durchgeknallte Wissenschaftler. Es gibt sicher einen Haufen seriöser Denker und Forscher, aber wie überall gibt es auch bei dieser Spezies diejenigen, bei denen das Genie in Richtung Wahnsinn driftet. Aber auch für die gibt es Auszeichnungen. An der Havard Universität in Cambridge (Massachusetts) werden immer mal wieder Nobelpreise vergeben. Besser gesagt „Ig-Nobelpreise". Das englische Wort „ignoble" bedeutet „unwürdig" und die Preise werden für Forschungen verliehen, die nicht wiederholt werden können, oder besser nicht wiederholt werden sollten.
So erhielt ein britischer Forscher den Ig-Friedenspreis dafür, daß er die elektrischen Signale im Gehirn einer Heuschrecke aufnahm, während die Zirpe Höhepunkte des Films „Star Wars" anschaute. Der Ig-Wirtschaftspreis ging an den Ersinner eines Weckers, der sich nach dem Druck auf die Schlummertaste wegrollt, sich versteckt um dann weiter zu klingeln. Zwei amerikanische Forscher beschäftigten sich mit der Frage ob Menschen nun im Wasser oder in Sirup schneller schwimmen könnten. Sie erhielten dafür den Ig-Chemiepreis. Der Medizinpreis ging an den Erfinder von Hundehoden-Prothesen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Prothese für herausoperierte Hundehoden erhält einen Nobelpreis. Das ist doch mal was!
Man muß bloß Ideen haben, auch wenn sie leicht ballaballa sind. Auch ich könnte mich also locker für so einen Preis bewerben. Obwohl meine Ideen natürlich nur dem Wohle der Menschheit dienten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Staubsauger mit Rückwärtsgang? Kotabweisende Schuhsohlen, ältermachende Tagescreme oder eine Stußweg-Taste am Fernsehapparat. Doch bleiben wir bei den Hunden. Für die Erziehung der geliebten Vierbeiner gibt es ja auch so eine tolle Erfindung. Es ist ein Halsband mit einem kleinen Wassertank. Und immer wenn der Hund einem Fehlverhalten freien Lauf läßt, bekommt er auf Knopfdruck einen Wasserstrahl ins Antlitz gespritzt. Nach so ein paar Abstrafungen durch die Sprühattacke ist er dann geläutert und unterläßt seine Unarten. Keine schlechte Sache also. Und hier käme jetzt meine Weiterentwicklung: Ein ähnliches Halsband mit so einem Wassertank für die Großen in Politik und Wirtschaft, für Nepper, Schlepper und Bauernfänger. Nur das der Sprühstoß sich automatisch bei einer ausgesprochenen Lüge aktiviert. Wahlkämpfe, Fernsehdebatten und die verschiedensten Öffentlichkeitsauftritte wären dann feuchtfröhliche Ereignisse. Die Bekleidungswirtschaft hätte auch gleich etwas davon. Regenhüte mit breiter Krempe und Gummijacken im Anzugdesign hätten reißenden Absatz. Das wäre wohl sicher einen Nobelpreis wert!
Aber das bekomme ich wohl vor den Preisvergabegremien nicht durch. Vielleicht sollte ich einfach kleinere Brötchen backen. So ein einfacher Salat mit deftigem Fleischgeschmack wäre auch nicht schlecht. Für Vegetarier wäre die Salatvariante wohl nicht so berauschend. Aber in Zeiten von Rinderwahn, Schweinepest und Vogelgrippe eine gesundheitserhaltende Maßnahme.
Tja, leider kommt mir diese glänzende Idee jetzt zu spät. Der Medizinpreis ist schon weg. Den hat jetzt der Kerl mit der Hundehoden-Prothese.