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Knaupps Kolumnen

Entschuldigt

Entschuldigt
Es ist ganz schön was los, so kurz vor Ostern. Besonders in den Nachrichten aus dem In- und Ausland hört man plötzlich, daß aus den politischen Führungsebenen vermehrt Schuldbekenntnisse verlautbar werden. Nun gut, nachdem der Postbonze überführt wurde, suchten andere Schwarzkonteninhaber ihr Seelenheil in reumütiger Zugabe ähnlicher Kavaliersdelikte. Das ist vergleichbar mit den sportlichen Dopingaffären, bei denen es auch immer gut ankam, wenn man heulend dem Massenpublikum die Fehltritte gestand.
Auch der SPD-Beck leistet mittlerweile Abbitte in alle Richtungen seiner Partei. Nach dem ganzen Knatsch um die Wahlhilfe durch die Linken, die laut Beck eigentlich ja so nicht - aber letztendlich ja doch - obwohl man ja mit denen niemals - na, Sie wissen schon. Er hat sich jedenfalls mittlerweile das Büßerhemdchen übergestreift.
Dann gibt es da noch den ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester. Gibt der doch in einem Fernsehinterview ganz freimütig zu, daß er vor seiner politischen und gewerkschaftlichen Karriere auch ab und zu schwarz gearbeitet hat. Der damalige Fliesenleger hat eben auch alle finanziell möglichen Extras mitgenommen. Das ist längst verjährt, und sollte nicht so „schwarz gesehen" werden.
Laut Riester gäbe es nur wenige Minister, die einen Beruf haben, in dem Schwarzarbeit gefragt ist, als Politiker können Sie ja nicht schwarzarbeiten. Da mag er aus seiner Sicht wohl recht haben, aber der Herr Riester sollte doch dann auch weiterhin so ehrlich sein, wie bei der Zugabe seiner früheren strafbaren Handlungen. Letztendlich sind schwarze Konten, immer wiederkehrende Diätenerhöhungen, Schmiergelder und spezielle Aufmerksamkeiten seitens der Wirtschaft ja auch finanziell mögliche Extras, die, wie wir immer wieder erfahren dürfen, nebenbei gern mitgenommen werden.
Eliot Spitzer, seines Zeichens New Yorker Gouverneur und ehemaliger oberster Staatsanwalt des Bundesstaates New York entschuldigte sich gerade bei seiner Familie, den Parteifreunden und der geneigten Wählerschaft. Hat er als harter Strafverfolger mehrere Prostitutionsringe auffliegen lassen, ist er jetzt als hochrangiger Politiker und Prostituierten-Freier aufgeflogen. Der Gouverneur hat sich seine leichten Mädels richtig was kosten lassen und war als guter Zahler sehr beliebt bei den Callgirls.
Nun muß man nicht gleich die Nase rümpfen und mit ausgestrecktem Finger in Richtung Amiland zeigen. Schließlich ist es gerade mal ein Jahr her, daß Arbeitsmarktreformer Peter Hartz als Arbeitsvermittler für russische Prostituierte fungierte und für wirtschaftliche Größen und rattenscharfe Betriebsräte Lustreisen organisierte. Aber wer wird denn nachtragend sein? Und letztendlich hat er sich doch auch entschuldigt.