Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

... beim Namen nennen!

... beim Namen nennen!
Kennen Sie das „Amt für Grundsicherung und Beschäftigung"? Nein? Dann ist es möglich, daß Sie dieses Amt bald kennenlernen. Oder besser gesagt, es ist möglich, daß dieses Amt Sie kennenlernen möchte. Erst recht, wenn Ihr Lebenspartner arbeitslos und Sie somit als Bedarfsgemeinschaft auf staatliches Geld angewiesen sind.
Ich erzähle Ihnen jetzt eine Geschichte von einem Mann, um dessen Person sich oben genanntes Amt erstaunlicherweise sehr bemühte. Nennen wir den Mitbürger in dieser Kolumne: Otto Normal.
Otto Normal lebt schon lange in unserer Mitte. Er führt ein ganz normales Leben, hat seine kleine Familie, geht täglich seiner Arbeit nach und wird von den Kollegen geschätzt. Leider erlitt seine Lebenspartnerin vor einigen Jahren einen Arbeitsunfall, wurde später entlassen und gilt nun auf dem Arbeitsmarkt als schwer vermittelbar. Mittlerweile ist sie Hartz-IV-Empfängerin und damit im Interessenbereich des Amtes für Grundsicherung und Beschäftigung (im Volksmund auch Hartz-IV-Behörde genannt). Bis hierhin ist sicherlich alles noch leicht verständlich.
Nicht mehr so ganz verständlich wurde es für Otto Normal, als er eine „Einladung zu einem Beratungsgespräch" in besagtes Amt erhielt. Auf dieser Einladung ein Vermerk, der Otto Normal auf das Mitbringen von Lebenslauf, Zeugnissen und Nachweisen der Berufsausbildung hinwies. Auf demselben Blatt: die rechtliche Belehrung, daß bei Nichtwahrnehmung des Termins, ohne vorherige Absage unter Angabe von Gründen, die Absenkung und der Wegfall des Arbeitslosengeldes II, laut § 31, drohe.
Otto Normal, der schon jahrelang in Lohn und Brot bei ein und demselben Arbeitgeber steht, war nun etwas verunsichert. Könne ihm, als festangestellten Arbeitnehmer und als nicht „Stütze-Empfänger" denn Arbeitslosengeld gestrichen werden?! Oder würde seiner Lebenspartnerin, die ja Geld bezieht, der Hahn abgedreht?
Ein erschrockener Anruf in der Behörde brachte die Information, daß es eine Weisung gäbe, alle Partner der sogenannten Bedarfsgemeinschaft kennenzulernen. Darum wäre es nötig, daß Otto Normal persönlich vorstellig würde.
Der Rest ist relativ kurz erzählt. Bei seinem Besuch im Amt mußte O. Normal einen Fragebogen für persönliche Angaben ausfüllen. Ob unterhaltspflichtige Kinder vorhanden wären, ob er sich in einem Verein engagiere, etc. In einem persönlichen Gespräch mit der behördlichen Ansprechpartnerin ging es etwas später auch um seine Streßtauglichkeit, um seine persönliche Konfliktfähigkeit bei privaten Problemen, usw. Das ging Otto Normal dann doch irgendwie zu weit. Auf seine Frage, wofür denn diese ganzen Daten und Informationen gebraucht würden, erhielt er die Antwort, daß es theoretisch möglich wäre, daß sich das Amt um eine besser bezahlte Arbeit für ihn bemühen könne.
Und genau an dieser Stelle wird es richtig komisch! Was ist das denn für eine Aussage? Kümmern sich die zuständigen Ämter jetzt auch um die Vermittlung von schon längst Beschäftigten? Muß man jetzt Angst haben, daß man nach Amtsmaßstäben eine neue Erwerbstätigkeit übergebügelt bekommt, obwohl man fest und zufrieden im Arbeitsprozeß steht? Wäre es nicht sinnvoller, diejenigen zu vermitteln, die Arbeit suchen? Oder geht es hier etwa nicht mehr um die Vermittlung von Arbeitsangeboten an Erwerbslose? Geht es mittlerweile etwa darum, die Partner von Langzeitarbeitslosen in besser bezahlte Jobs zu vermitteln, um dadurch eine Einsparung des Arbeitslosengeldes bei diesen Bedarfsgemeinschaften anzustreben?
Vielleicht ist diese Vorgehensweise ja auch nur so eine Art Tarnkappe für ein anderes Ansinnen. Ist es möglich, daß hier, durch persönlichen Kontakt, versucht wird, einen besseren Einblick in die Gesamtsituation und das Umfeld der arbeitslosen Leistungsempfänger zu bekommen? Wie im letzten Jahr bekannt wurde, hat das hiesige „Amt für Grundsicherung und Beschäftigung" in einer Vielzahl von Fällen Sozialmißbrauch aufgedeckt. Bei einem Abgleich mit den Daten des Bundesamtes für Finanzen und den Sozialversicherungsträgern ist man, laut Kreisverwaltung, wohl Betrügern auf die Schliche gekommen, die mißbräuchlich Leistungen des Staates in Anspruch genommen haben.
Nun wäre es ja eigentlich lobenswert, wenn Staats- bzw. Steuergelder sinnvoll zusammengehalten werden. Obwohl damit ja noch immer nicht das Problem der oftmals unsinnigen Ausgaben dieser Gelder durch die Staatsvorderen bekämpft wäre. Auch sollte man gerade beim Thema „Sozialmißbrauch" genau differenzieren. Sicherlich wird es die schwarzen Schafe geben. Aber ganz sicher gibt es auch die Ehrlichen, die durch Hartz-IV noch weiter an den existenziellen Rand gedrängt wurden. Diese Erwerbslosen sehen sich hier dann einer Diffamierung ausgesetzt.
Über die Ungerechtigkeiten durch Hartz-IV, über unausgeglichenes Nehmen und Geben durch den Staat und über manch unverständlichen Behördenzirkus wird es wohl weiterhin Unmut und Unverständnis geben.
Um jetzt aber noch mal zum eigentlichen Thema zu kommen: Von Behördengängen jeglicher Art bleiben wir alle nicht verschont. Die gehören eben dazu. Aber wenn man als Otto Normalverbraucher von amtlicher Seite in irgendeine behördliche Institution beordert wird, dann sollte schon im Anschreiben der verständliche Sinn für diese angeordnete Maßnahme erkennbar sein. Man sollte auch von behördlicher Seite das Kind ganz klar beim Namen nennen.