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Knaupps Kolumnen

Der Teufel wohnt im Weibe!

Der Teufel wohnt im Weibe!
So, da sind wir wieder. Die Freifeiertage sind überstanden, dieses ungewohnte Erholungsgefühl hat den Körper mittlerweile wieder verlassen, und manch guter Vorsatz für 2007 wurde sicherheitshalber schon auf 2008 umdatiert.
Doch einen guten Vorsatz sollte man eigentlich realisieren. Dann hat man den Rest des Jahres seine Ruhe. Ich gehe mit gutem Beispiel voran. Ich werde Ihnen heute die bittere Wahrheit sagen. Die Wahrheit über mich. Über die dunkelsten Kapitel meines Seins! Jetzt und hier. Auch wenn Sie gleich geschockt sein werden, ich oute mich, ich gestehe, ich gebe zu - ich habe mich breitschlagen lassen. Die weibliche List und Tücke hat mich Sachen machen lassen, die mir als Einzelperson nie in den Sinn gekommen wären. Ich wurde entgegen meinem Willen manipuliert. Ja, ich war auf einem Casting und in einer Tanzschule. Jetzt sind Sie geplättet. Das hätten Sie nicht vermutet. Ja, stille Wasser sind tief und dreckig. Aber im Gegensatz zu manch anderen kann ich immer noch behaupten, daß diese imageschädigenden Fehltritte im Dienste der journalistischen Recherche standen. Ich habe mich also mal wieder geopfert. Für Sie!
Diese beiden Aktionen liegen nun schon eine Weile zurück. Aber man braucht eben so seine Zeit, um die eigenen Schwächen zu begreifen, das Erlebte sacken zu lassen und um gegen die dadurch entstandenen Psychosen anzukämpfen. Aber jetzt bin ich soweit. Da man aber solch intime Geständnisse nicht jedem erzählt, möchte ich Sie bitten, das Nachfolgende für sich zu behalten und mir die öffentliche Schmach zu ersparen.
Teil 1
Zu meiner Rechtfertigung kann ich sagen: das mit dem Casting war natürlich nicht meine Idee. Doch wie ja hinlänglich bekannt sein dürfte, der Teufel wohnt im Weibe! So auch bei dieser Aktion. Erst unter dem Deckmantel als Beschützer bzw. Begleitperson zu fungieren, wurde ich, durch zwei mir vertraute weibliche Personen zu einem TV-Casting in ein Hauptstadthotel verschleppt. Die Kölner Film- und Fernsehproduktionsgesellschaft „filmpool" suchte Frischfleisch für verschiedenen TV- Produktionen. Meine Freude stieg ins schier Unermeßliche, als ich hörte, daß es sich hierbei um so tolle Produktionen wie „Richterin Barbara Salesch", „Zwei bei Kallwass", etc.., handelte. Dazu muß ich Ihnen sagen, daß ich jemand bin, der bei Aussicht auf Erfolg mit allergrößter Freude für diese Art von TV-Veranstaltungen Schmerzensgeldforderungen geltend machen würde. Ich muß aber auch gestehen, daß ich Freude daran habe, Menschen mit ihren spezifischen Eigenarten und Umgangsformen zu beobachten. Für dererlei Vorliebe ist so eine Castinggeschichte natürlich die ideale Plattform. Also rein in das Hotelfoyer. Menschen über Menschen. Rammelvoll. Vom Halbwüchsigen bis zum Alterspräsidenten - jede Couleur vertreten. Von rustikal über blöd bis schamlos - hier war alles auf den Beinen. Aber so richtig zu meinem Kuriositätenstudium kam ich nicht. Plötzlich war auch ich angemeldet, hatte zwei Seiten Text für eine „Proberolle" in der Hand und ein paar Minuten Zeit, diesen zu verinnerlichen (herzlichen Dank nochmal dafür). Dann ging alles ganz schnell. Ich wurde mit fünf anderen Erschrockenen in einen Raum geschoben. Dort war ein provisorischer Gerichtssaal nachgestellt, vier filmpool-Lakaien gaben die „Saleschbande", und wir sechs sollten bei laufender Kamera agieren. Nun war auch schon alles egal. Ich hatte eine tolle Rolle. Ich durfte einen Onkel darstellen. Einen Mann in den besten Jahren, der ein Verhältnis mit der Nachbarin hatte. Dessen Neffe hat die Tochter der Nachbarin mit einer Luftbüchse aus dem Kirschbaum geschossen, die Tochter verletzte sich dabei. Ohne Zeugen war der Tathergang nicht eindeutig - gequirlter Mist eben. Das einzige, was wirklich interessant war, das waren die Leute. Die ultra Wichtigen, die schweißhändig Ängstlichen, die krampfhaft Bemühten, die selbsternannten Talente und die selbstzufriedenen Talentscouts. Nach ca. zehn Minuten war der Spuk vorbei und ich wieder draußen. Auch die weiblichen Anzettler wurden entlassen, und wir konnten die Heimfahrt antreten.
Da ich ja nun mit solcherlei Gedöns nichts zu tun haben will, denkt man ja auch nicht daran, daß da noch etwas nachkommen könnte. Falsch gedacht. Etwas später kam ein Rollenangebot aus Köln. Ja, ich wäre fast ein großer Star geworden. Aber ich habe diese Rolle abgelehnt, man möchte doch lieber auf dem Boden der Realität bleiben. Mich würde natürlich trotzdem interessieren, wer meine Rolle dann bekommen hat. Die Rolle des schwulen Eiskunstläufers.
Teil 2
Zu meiner Rechtfertigung kann ich sagen: das mit der Tanzschule war nicht meine Idee. Doch wie schon erwähnt, der Teufel wohnt im Weibe!
Es war ein schöner Sonntagmorgen, die Sonne strahlte, der Frühstückstisch war gedeckt, und es roch nach frischem Kaffee. Doch die Idylle war trügerisch. Bevor ich herzhaft in das erste frische Brötchen beißen konnte, schlug die spezifisch weibliche Boshaftigkeit, der mir gegenübersitzenden, sonst sehr liebenswerten Person mit aller Gewalt auf mich ein. „Schatz, was hältst du davon, wenn wir uns zur Tanzschule anmelden? Es wäre doch schön, wenn wir so etwas auch mal zusammen machen könnten." Ich erstarrte. Meine Kaumuskeln erlitten einen Schlaganfall. Der erste Satz wurde gleich mit diesem vorwurfsvollen „... wenn wir so etwas auch mal zusammen ..." untermauert. Normalerweise, hat man hier als Mann schon verloren. Zum Glück fiel mir das liebe Geld ein. Was so etwas kostet ... und überhaupt ... die Zeit und so. Und wir könnten doch eher mal zusammen Angeln gehen. Nee, nee, das lassen wir mal lieber. Ein langes Gesicht und „Na ja, wenn du nicht willst, ich werde dich nicht zwingen ...". Glück gehabt. Das Thema war für mich vom Tisch. Für sie nicht. Sie hat im Untergrund agiert. Sie hat gebohrt, sie hat gesäuselt.
Na, Sie wissen schon, worauf die Geschichte hinausläuft - wir waren in der Tanzschule. Ich möchte bemerken, daß ich nichts gegen das Tanzen habe, solange man mich damit verschont. Das örtliche Telefonbuch hat weitaus mehr musikalisches Taktgefühl als meine Person. Vielleicht wurde ich ja bei meiner Erbauung falsch zusammengesteckt. Das würde jedenfalls die ungelenken Bewegungen erklären. Tanz hat für mich auch nichts mit Freude zu tun. Eher mit Krämpfen, Schweißausbrüchen, heißen Ohren und Stoßgebeten zur Erlösung. Doch es blieb mir nicht erspart - ich mußte. Jeden Donnerstagabend ging es in Richtung Bad Saarow, hin zu meinem Martyrium.
Eins, zwei - tipp ging ja noch. Nicht, daß ich dabei durch Rhythmusgefühl überzeugt hätte - aber ich bewegte mich etwas von der Stelle. Trotzdem muß schon dabei mein Gesichtsausdruck Bände gesprochen haben. So fragte mich der Tanzlehrer mit mitleidigem Tonfall: „Na, Sie wurden wohl gezwungen?!"
Doch die Härtefälle kamen noch. Beim Tango hatte ich massive Probleme mit dem abrupten Richtungswechsel, so daß wir fast schnurgerade den Saal durchpflügten. Beim schnellen Walzer ging dann gar nichts mehr. Mein Körper verweigerte die Mitarbeit. An die anderen Tänze kann ich mich kaum erinnern. Angstverdrängung!
Doch auch so ein Tanzkurs geht einmal zu Ende. Obwohl an diesem Ende ja noch das Horrorszenario Abschlußball steht. Natürlich freuten sich alle darauf. Außer mir. Doch irgendein Geschickelenker hatte Mitleid. Durch welche Umstände auch immer, es gab es keinen Abschlußball. Dafür wurde ein Frühstücksbrunch mit Tanzeinlagen daraus.
Nun raten Sie mal, wo ich mich, bei Einsetzen der Tanzmusik befand. Erstaunlicherweise stand ich meistens am Buffet. Bedächtig wählte ich die Speisen aus. Langsam kauen, sich aufs Essen konzentrieren und nur nicht vom Teller aufblicken. Natürlich bin ich um das Hauptanliegen der Veranstaltung nicht ganz herumgekommen. Das macht man ja auch nicht. Erst recht nicht, wenn die Partnerin sich gern auf der Tanzfläche bewegt. Also habe ich in meinen Essenspausen getanzt. Nicht oft, nicht lange und nicht schön.
So, jetzt wissen Sie Bescheid, jetzt kennen Sie die ganze Wahrheit. Eigentlich habe ich mit diesen Vorkommnissen ja abgeschlossen.
Eine Sache verstehe ich aber immer noch nicht. Was treibt das weibliche Geschlecht dazu, uns in solche Gefahrensituationen zu treiben? Was treibt uns Männer dazu, entgegen unserer Natur, den ganzen Quatsch auch noch mitzumachen? Und woher nehmen unsere Holden im nachhinein noch die Frechheit für solch realitätsfremde Aussprüche wie: „Nun tu mal nicht so, so schlimm war es doch gar nicht!"
Aber genau das beweist es wieder - der Teufel wohnt im Weibe!