Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Die Skepsis bleibt

Die Skepsis bleibt
So, jetzt ist es soweit. Die Wahl steht unmittelbar bevor. Es ging schon heiß her in den letzten Tagen. Nun gut, so heiß auch wieder nicht. Ist ja schließlich eine wahlperiodisch wiederkehrende Prozedur. Nur daß es diesmal zwischendurch stattfindet. Aber sonst ist alles fast wie immer. Schröder grinst siegessicher, Fischer versucht, seine Arroganz zu verbergen, die aufgepeppte Spitzenkandidatin der CDU gibt sich noch volksverbundener als sonst, und mit dem Gysi will keiner sprechen. Obwohl ich an Frau Merkels Stelle den Stoiber ja nicht in meinen Wahlkampf intergriert hätte. Der hat so etwas Gemeines im Blick. Andererseits war der giftige Gesichtsausdruck Stoibers wieder gut für den Westerwelle, der bei der letzten großen TV-Debatte neben dem Bayern saß. Das erinnerte ein bißchen an „Peter und der Wolf". Klar, da liegt die Sympathie bei Peter. Da fällt mir jetzt auch auf, daß die Angela auf der anderen Seite neben Stoiber saß. Das hingegen erinnerte dann irgendwie an Schneewittchen und ihre böse Stiefmutter.
Was ich vor der Wahl immer am tollsten finde, ist diese innige Volksnähe der zur Wahl Stehenden. Ich weiß ja auch, daß diese Nähe nach der Stimmenauszählung schnell wieder mit den meisten Wahlversprechungen verlorengeht, trotzdem kann man sie doch kurz genießen. Es freut mich, daß die Politik mich wenigstens in diesen Momenten als Bürger wahrnimmt. Da schwirrt plötzlich wieder verloren geglaubtes Verständnis durch die Luft. Da wird seitens der Kandidaten echtes Vertrauen in mich gesetzt. In mich als Wähler natürlich. Man fühlt sich so gebraucht, so beachtet.
Der Ausspruch: „Wer die Wahl hat, hat die Qual", hat sich wieder mal stark bewahrheitet. Jedenfalls bei mir. Aber eigentlich quält man sich wohl nur, wenn man nicht überzeugt ist. Und das bin ich nicht. Ich bin nicht politisch uninteressiert. Ich bin eher ungläubig geworden. Und die großen Fernsehdebatten haben meine Ungläubigkeit nicht kippen können. Ich habe mich durch Parteiprogramme gefressen, habe Wahlplakate gelesen, habe Meinungsumfragen studiert, habe verglichen und abgewägt. Ich habe mir zielsicher an den Kopf gefaßt, habe ungläubig den selbigen geschüttelt, habe über Sinn und Unsinn gegrübelt, habe manchmal den Überblick verloren, war unsicher. Aber in einem Punkt war ich mir immer sicher - ich gehe zur Wahl. Schon meinem Gewissen zuliebe. Auch wenn ich weiß: die Skepsis bleibt.