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Knaupps Kolumnen

Schleichwerbung

Schleichwerbung - was für ein Wort. Eine Werbung, die sich fast unbemerkt heranschleicht, sich leise in die Köpfe Ahnungsloser brennt und sie in ihrem Tun beeinflußt. Hört sich ganz schön gefährlich an. Ist es auch. Glaubt man den Verbraucherschützern und Medienwächtern. Durch Auffälligkeiten bei einem öffentlich-rechtlichen Sender wurde in der letzten Zeit die Diskussion um besagte Schleichwerbung losgetreten. Ein Aufschrei geht durch die TV-Landschaft, leicht abgeschwächt vom kommenden Wahlspektakel, aber noch hörbar. Schleichwerbung ist wettbewerbswidrig. Nee, ich meine jetzt nicht die Art von Werbung, die Schönbohm und Stoiber mit ihrem markigem Gezeter betrieben haben und bei denen der eine sich fett den Mund verbrannt hat und der andere offenlegte, daß er seine Wahlschlappe 2002 noch immer nicht verwunden hat. Das war ja auch so eine Art Schleichwerbung, bloß daß die Nutznießer hierbei wohl andere sind.
Die derzeitigen Diskussionen beziehen sich auf die schleichende Warenanpreisung in Krimis, Soaps, Reality-Shows oder auch in Unterhaltungssendungen. Das Bierlogo in der Kneipe, in der der Tatort-Kommissar ermittelt. Das Label auf dem T-Shirt einer Marienhof-Intrigantin. Die Gummibären, die Gottschalk während der Saalwette in sich hineinschaufelt. Das alles soll uns zum Kauf dieser Produkte animieren. Überall werden uns Markennamen präsentiert. Ich dachte schon, das wäre normal. Ist es aber nicht. Laut § 7 des Rundfunkstaatsvertrages ist Schleichwerbung verboten. Nicht erlaubt ist „die Erwähnung oder Darstellung von Dienstleistungen, Namen, Marken oder Tätigkeiten des Herstellers ..., wenn sie zu Werbezwecken vorgesehen ist und die Allgemeinheit hinsichtlich des eigentlichen Zwecks dieser Erwähnung oder Darstellung irreführen kann". Aha.
Jetzt geht es bei dieser Diskussion natürlich um Geld. Geld, das auch von staatlichen Sendern angenommen wird, die sich ja eigentlich durch Gebühren und reelle Werbeblöcke finanzieren. Verständlich wäre diese Debatte für mich, wenn es nur darum ginge, daß die Verwendung der durch Schleichwerbung eingenommenen Gelder aufgedeckt werden muß und der TV-Zuschauer daraus auch einen Nutzen hätte. So wäre der Wegfall der GEZ-Gebühren doch ein angenehmer Aspekt. Das Manipulationgequatsche leuchtet mir dagegen nicht ein. Oder ist es wirklich schon soweit, daß in Deutschland der mündige Bürger kurz vor der Ausrottung steht? Daß wir mittlerweile auch schon vor Schleichwerbung geschützt werden müssen, weil wir selbst nicht mehr entscheiden können was wir kaufen oder was nicht. Das ist für mich der wahre Schleichwerbungsskandal. Und da bin ich unseren Verbraucherschützern auch sehr dankbar. Nicht auszudenken, wie erschrocken ich wäre, wenn ich nach einem Einkaufsbummel bemerken würde, daß ich mir einen TRIUMPH-Büstenhalter zugelegt habe. Und nur, weil mir in einer TV-Produktion schleichend suggeriert wurde, daß nur dieser BH sich besten meiner Körperform anpaßt.
Nein, hier muß eingeschritten werden. Staat, du mußt mich schützen. Vor der Schleichwerbung und somit auch vor mir selbst.