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Knaupps Kolumnen

Sommerloch-Knaller

Sommerloch-Knaller

Was ist denn das für ein blödes Sommerloch? Normalerweise sollte es doch so sein, daß es im Sommerloch nichts von Interesse zu berichten gibt und man als Schreiberling genötigt ist, sich mit Schwachsinnsmeldungen zu befassen. So aber nicht in diesem Jahr. Stattdessen: Die Vertrauensfrage, das Warten auf die Entscheidung des Bundespräsidenten über eine vorgezogene Neuwahl (die Entscheidung war beim Verfassen dieser Kolumne noch nicht gefallen), die erneute Diskussion zur Videoüberwachung von öffentlichen Plätzen, der VW-Korruptionsskandal, Parteienumbenennung und all die anderen Hammer-Schlagzeilen. Die versauen doch total das Sommerloch. Eigentlich ist doch die Ferienzeit eine Zeit, in der es reichen sollte, eine am Straßenrand liegende BILD aufzuheben, zu überfliegen und wieder fallenzulassen. In diesem Jahr reicht das eben nicht aus. Man muß sich informieren, den Gedankenfluß aktivieren, Standpunkt beziehen. Dabei läuft das Gehirn in der Ferienzeit doch auf Sommerbetrieb. Oder?
Doch ich mache da nicht mit. Ich lasse mir doch von Kanzler, Köhler, Hartz, Linkspartei & Co nicht meine Sommerloch-Kolumne vermiesen. Ich lasse mich nicht vor den Karren spannen, ich wehre mich. Bei mir bekommt der Leser noch die wirklichen Sommerloch-Knaller.
• Aus Eisenhüttenstadt kommt eine neuartige Geschäftsidee. Ab sofort gibt es den „Trabi-Duft" aus der Dose käuflich zu erwerben. Das heißt, die letzten noch lebenden DDR-Trabanten geben nochmal richtig Gas, der weißgraue Auspuffqualm wird mit Blechdosen aufgefangen, um dann an abhängige Zweitaktschnüffler vertickt zu werden.
• In Köln ist eine, nur mit einer Jeansjacke bekleidete Frau, an einer Tankstelle erschienen. Die sonst Splitternackte erklärte der Polizei, sie habe ihre Klamotten beim Flaschendrehen verloren. Unter der Auflage, künftig öffentlich weniger Haut zu zeigen, durfte die Frau den Heimweg antreten. Bei dieser Meldung hofft man, der Weg nach Hause war nicht allzu weit, und die Windgeschwindigkeit hielt sich in Grenzen.
• In Neu Dehli verurteilte die Polizei 200 Besucher eines illegalen Pornokinos zu jeweils 10 Liegestützen. Des weiteren mußten die Kinobesucher schwören, nie wieder einen Film pornografischen Inhalts anzusehen. Wie die Behörden bei Zuwiderhandlung des Pornoverbotes reagieren, war nicht zu erfahren. Vielleicht sollte man für die Deliquenten eine eigene Pornokinobesucher-Olympiade auf die Beine stellen.
• In West Virginia duldet man keinen Gestank jeglicher Art: Wer hier bei offenem Fenster Kohl oder Kraut kocht, macht sich strafbar. In Kentucky dagegen hat man wohl nichts gegen Gerüche. Trotzdem verdonnert der Staat seine Bürger per Gesetz, mindestens einmal im Jahr zu baden.
• Eine Britin hat nach 33 Jahren endlich ihre Fahrschulprüfung bestanden. Mehrere zehntausend Euro und sieben Fahrlehrer fielen ihrer Hartnäckigkeit zum Opfer.
• In Indien wurde ein Hindu-Priester von einer Schlange gebissen. Nach dem Biß erbrach die Schlange des Priesters Blut und starb. Der Priester ist bei bester Gesundheit. Ätsch.
• In Fairbanks (Alaska) werden die Elche per Gesetz ganz klar in ihre sexuellen Schranken verwiesen: Sex auf offener Straße ist für sie verboten. Mich würde interessieren welche Strafe die zuwiderhandelnden Elche erwartet. 10 Liegestütze?
Und jetzt kommt es: Die chinesische Raumfahrtbehörde will 40 Gramm Sperma von reinrassigen Schweinen mit einer Trägerrakete in die Erdumlaufbahn schicken. Nach der feierlichen Rückkehr der Schweinespermien werden dann ahnungslose Provinzsäue mit diesen Weltallhelden befruchtet. Ziel dieser Aktion ist es, herauszufinden, ob die Schwerelosigkeit und die Weltraumstrahlung das Schweinesperma genetisch verändern. Das ist doch mal eine richtige Sommerlochmeldung. Obwohl man gleich erschrocken innehält. Sofort baut sich eine Frage auf. Was ist mit all den anderen Spermien? Ich meine die, die schon da oben waren. Die, die wahrscheinlich unfreiwillig aber korrekt verpackt gen Himmel geschossen wurde. Eben die, die aus biologischen Gründen einfach mitmußten. Ich hoffe, es geht ihnen gut.