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Knaupps Kolumnen

Wunschzettel

Wunschzettel

Na, schon im Weihnachtsstreß? Alle Geschenke gekauft, die Weihnachtsplätzchen gebacken, den Baum geschlagen und den Glühweinvorrat aufgestockt? Nee? Dann wird es jetzt aber Zeit. Der alte Mann mit dem weißen Bart steht samt seinen Rentieren in den Startlöchern. Zur Zeit arbeitet er wohl gerade die zahlreichen Wunschzettel ab. Wie, sie haben gar keinen Wunschzettel abgeschickt? Ihnen geht es da ja wie mir. Auch ich habe das Erstellen eines Wunschzettels komplett vergessen. Dann wird dieses Jahr das frohe Fest ja wohl ein ganz schönes Dilemma. Aber eigentlich müßte der Weihnachtsmann, der ja jeden einzelnen von uns seit der Geburt kennt, auch bei mir mittlerweile wissen, was ich mir so wünsche.
Ganz oben steht auf meiner Wunschliste, natürlich etwas abgedroschen klingend, die Hoffnung auf Frieden und auf Gesundheit für mein Umfeld, meine Familie und mich. Und dann wird es auch schon eng. So richtige Wünsche, die sich eben direkt auf dieses Fest beziehen, habe ich eigentlich nicht. Oder doch?
Na ja, wenn ich so richtig überlege, gäbe es da doch schon ein paar Sachen. Nichts Materielles. Solche Wünsche erfülle ich mir, dem privaten Finanzhaushalt angemessen, selbst und datumsunabhängig. Ich hätte da andere Wünsche, die schwerer zu realisieren sind.
Ich würde mir wünschen, daß bei Aldi das Obst und Gemüse, nach mehrmaliger Fingerdruckfrischeprüfung, nicht in Fäden von meinen Händen tropft. Ich würde mir wünschen, daß die Gerüche aus den Gullideckeln in Glienicke nicht mehr an das Durchfahren einer zerstörten Fäkaliensammelgrube erinnern. Ich würde mir wünschen, daß alle Wasserprediger von ihrem heimlichen Weinkonsum lebenslange Migräne bekämen. Ich würde mir wünschen, daß ultrabürokratische Richtlinien verkürzt oder sogar eingestampft werden. Ich würde mir wünschen, daß der dumpfe Geschmack, den die geplante Einführung von Schuluniformen in einer Potsdamer Schule bei mir hervorgerufen hat, alsbald wieder meinen Rachenraum verläßt. Auch die Erklärungen, daß dieser Uniformierungsversuch als positiver Ansatz für ein schulisches Miteinander gewertet werden soll, überzeugt mich nicht wirklich.
Dann würde ich mir wünschen, daß Engstirnigkeit, Scheuklappendenken und Ellenbogenmentalität sich innerhalb des nächsten Jahres um mindestens die Hälfte reduzieren. Und ich würde mir ganz fest wünschen, daß der Weihnachtsmann allen wirklichen Bösewichtern mal zeigt, wo der Hammer hängt. Allen, die von Gesetz und Justiz mit Samthandschuhen behandelt werden - oder so behandelt werden müssen, sollte er an Weihnachten mal so richtig auf die Finger hauen. Nee, daß wäre wohl zu wenig. Er sollte ihnen so richtig den Arsch versohlen!
Oh Mann, hätte ich ihn doch bloß nicht vergessen - den Wunschzettel.