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Knaupps Kolumnen

Feiertags-Vorhaben

Feiertags-Vorhaben

Nehmen Sie sich eigentlich auch immer zuviel für die wenigen freien Tage vor? Mir geht es da oft wie vielen Politikern. Ich überschätze mich, und mache unhaltbare Versprechungen. Na ja, ich schade damit nicht gleich einem ganzen Volk, ich bekomme nur nicht all meine geplanten Feiertags-Vorhaben unter einen Hut. Ich nehme mir vor, sportlich tätig zu werden, liegengebliebene Arbeiten zu erledigen, aufgeschobene Besuche zu absolvieren und überfällige Anrufe zu tätigen. Die Realität ist aber ernüchternd - die Erledigungsquote gering. Die wenigen Feiertage reichen mir nicht.
Apropos Feiertage. Ostern liegt jetzt mittlerweile schon drei Wochen hinter uns. Die Osterglocken haben ihre Blüten endlich durch den Frühjahrsboden gedrückt und gegen den Nachtfrost gesiegt. Der Papst erholt sich von seinem alljährlichen Open Air, die Ostermarschierer haben sich mit ihrer Teilnehmerschlappe abgefunden. Auch der weniger gläubige Teil des Volkes hat die freien Tage genossen. Die Osterfeuer sind runtergebrannt und manch plattgelatschte Festwiese bräuchte jetzt dringend eine Düngerkur. Auf Gartenspartenwiesen dämmern nicht gefundene Hartgekochte der biologischem Fäulnisexplosion entgegen und ehemals frische Ostersträuße recken ihre Gebeine aus den Biotonnen. Die Langohren, die zur Kinderfreude beitrugen, sind jetzt nur noch als delikater Hasenrücken in Rotweinsoße interessant und wem nicht vom Osterwasser übel geworden ist, der hatte höchstwahrscheinlich Magenbeschwerden durch Hohlkörpergenuss.
Doch die nächsten Feiertage sind ja schon in Sicht. Ganz aktuell - der 1. Mai. Nach den letzten Massendemonstrationen gegen den sozialen Abbau, erhält der 1. Mai auch langsam seine Bedeutung als Kampftag zurück. Auch wenn die Gewerkschaften, zu denen teilweise eher das Büßerjäckchen passen würde, diese Demonstrationen ankurbeln, sollte man die Sorgen und Ängste der Demonstranten nicht als Panikmache wegdiskutieren.
Der nächste Feiertag steht im Kalender als Chr. Himmelfahrt. Für das gläubige Volk ein Tag des Gedenkens, für die Nichtgläubigen ein Freifeiertag der ganz besonderen Art. Als Herren- oder Männertag deklariert, werden alljährlich Zusammenrottungen des männlichen Geschlechts beobachtet. Traditionell wird nach Männerart dem Bier und dem Grillfleisch gefrönt. Aber auch für Restjahres-Couchbesetzer schlägt an diesem Tag die große Stunde. So kann hier manch artiger Pantoffelheld endlich so richtig über die Strenge schlagen. Mit dem geschmückten Fahrrad, dem langem Arm der Haushaltsgeldverwalterin entwischt, wird hier einmal im Jahr das wilde Leben genossen.
Dann kommt im Mai noch das Pfingstfest. Für den Ungläubigen ist der Pfingstmontag dann eigentlich nur der Tag, der das Wochenende verlängert. An diesem Tag macht das Ausschlafen doppelt Spaß. Die Arbeitswoche wird verkürzt und die Staumeldungen machen leicht schadenfroh. Außerdem kommt erst am Dienstag die Erkenntnis, daß man sie mal wieder nicht realisiert hat - die Feiertags-Vorhaben.