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Knaupps Kolumnen

Sammeln

Sammeln

Da haben wir den Beweis. Der Spruch „Wenn man sich auf andere verläßt, ist man verlassen" trifft zu. Nicht immer, aber in diesem Fall hat er sich in Realität verwandelt. Denn eigentlich wollte ich heut gar kein „So gesehen" verfassen. Vielmehr wollte ich mich ganz raffiniert bei den anderen schreibenden Verlagsjunkies bedienen. Doch wenn man sie mal braucht .... Nun gut, da hilft auch kein Jammern. Auf die Frage an meine Kollegen, was denn jetzt das geeignete Kolumnenthema wäre - Schulterzucken. „Du bist doch der Schreiberling", „Mach doch mal, Themen gibt es ja genug". Bla, bla, bla ... Vielleicht sollte ich mich heute einem Thema widmen, das mir schon immer auf der Seele brennt. Wenn ich nur wüßte, welche Thematik da gerade dringend einer Erläuterung bedarf.
Unsere BSK-Azubine erinnert mich gerade daran, daß ich erst vor kurzem einen Vergleich zwischen sogenannten zampernden Fastnachtsfreaks und den längst ausgestorbenen ostdeutschen Jung- und Thälmann-Pionieren gezogen habe. Darüber kann man doch keine Kolumne schreiben - Fastnachtsfreaks und Pioniere. Nein, ich meinte das ja auch nicht negativ, ich habe nur Parallelen gezogen. In meiner Kinderzeit gab es Tage, an denen wir auch von Haus zu Haus gezogen sind und gesammelt haben. Wir sammelten keine Eier oder Bargeld - wir sammelten Altpapier. Von irgendeinem Ministerium in Banden unterteilt ( Bande I = blaue Halstücher, Bande II = rote Halstücher, Bande III = blaue Hemden), gingen wir auf die Suche nach den wertvollen Altlasten. Jede Bande hatte auch ihr ganz persönliches Kampflied. Kampflieder waren in dieser Zeit ja sehr angesagt. Ich erinnere mich noch an dieses: „Ham'se nicht noch Altpapier, liebe Oma, lieber Opa, klingelingeling - dann geben sie's mir, sonst holt sich's vielleicht ein Großer. Ham'se nicht noch Altpapier, Flaschen, Gläser oder Schrott, klingelingeling - dann geben sie's mir, sonst holt sich's die FDJ". Ja, so ein Lied gab es wirklich. Obwohl es im Detail nicht ganz stimmte. War man erst in der FDJ, ging man nicht mehr zum Altpapier sammeln. Als FDJler gehörte man eigentlich automatisch in die Reihen der Null-Bock-Fraktion. Trotzdem, im Sammeln waren wir damals ganz groß. So sammelten wir uns zu Fahnenappellen oder auch zu Maidemonstrationen. Gesammelt haben wir auch Unterschriften. Da wir nicht die Möglichkeit hatten, Autogramme von irgendwelchen Rockstars (mangels dieser) zu erhaschen, sammelten wir halt Unterschriften in unserer unmittelbaren Umgebung. Unterschriften von unseren Mitbürgern, die wir dann mit angehefteter Petition zum Thema Weltfrieden verschickten. Dann wurden auch Bierbüchsen gesammelt. Wie, wir hatten keine? Nachdem in Beeskow finnische Aufbauhelfer für das damalige Spanplattenwerk stationiert wurden, gab es auch Bierbüchsen. Zwar immer leer, aber als Zierde mancher Wandregale heiß begehrt. Na ja, damals gab es ja auch noch kein Büchsenpfand.
Aber ich schweife ab, schließlich soll mein „So gesehen" kein Sammelsurium alter Geschichten werden. Doch bevor ich mir jetzt ernsthaft Gedanken über ein Kolumnenthema mache, muß ich mich wohl erst mal sammeln.