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Knaupps Kolumnen

Durchhalten!

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Jetzt geht das schon wieder los. Vergangenen Dienstag um 11.11 Uhr wurde die sogenannte närrische Zeit eingeläutet. Eine Zeit, in der aus ganz normalen Menschen plötzlich skurrile Individuen werden.
Nee, ich meine jetzt nicht die Sorte der Volksvertreter, die sich nach ihrer Wahl in die erhoffte Position nicht mehr an einstige Ideale und Ziele erinnert, und die sich in kürzester Zeit in närrische (Vor) Gaukler verwandelt. Ich meine auch nicht die närrisch Angehauchten, die meinen, der Weg des geringsten Widerstandes sei immer der Beste, und die ihre Fähnchen nach dem gerade aktuellen Wind ausrichten. Es geht nicht um die selbstvernarrten Wichtigtuer, die sich als Mittelpunkt des Universums sehen und es nicht vermögen, über ihren bürokratisch genormten Horizont zu blicken. Mir geht es auch nicht um die Väter und Großväter, denen am 24. Dezember ein weißer Bart wächst, um mit sonorer Stimme ihre Nachkommen von der Identität des Weihnachtsmannes zu überzeugen.
Es geht hier um die Karnevalssüchtigen. Ich meine die selbsternannten Närrinnen und Narren, die Jecken, die Funkenmariechen, die Schlipsabschneider, Wegezollerheber und Rathausbesetzer. Ich selbst gehöre ja in die Kategorie der faschingsimunen Verkleidungsmuffel. Die fünfte Jahreszeit ist für mich eigentlich nicht existent. Durch familiäre Verbandlungen komme ich zwar um einen Zampertanz und einen Fastnachtsabend nicht herum, dafür bleibt mir aber jegliche Art von Mitwirkung oder Kostümierung erspart.
Viel härter empfinde ich die Karneval- und Faschingsveranstaltungen, die uns bald wieder per TV aus Mainz, Köln, Düsseldorf und den anderen Jeckenhochburgen erwarten. Diese Veranstaltungen, in denen meist ein leicht angetrunkenes Monarchenpärchen den Vorsitz hat, wo zwischen oft langweiligen Büttenreden und alibilustigen Ordensverleihungen der vorgegebenen Fröhlichkeit gefrönt wird. Auf mich wirken diese Szenen oftmals verkrampft. Einige der Mitwirkenden sehen so aus, als hätten sie zu diesem Anlaß ihr Lachen einstudiert. Andere hingegen geben sich als die absoluten Stimmungskanonen, gehen aber im Alltag zum Lachen wahrscheinlich in den Keller. Vielleicht liegt es an der Erziehung, an meinem Umfeld, meiner Mentalität oder an einem fehlenden Karnevalsgen, diese Helau-, und Alaaffeten jagen mir kalte Schauer über den Rücken.
Letztendlich sind diese Veranstaltungen aber immer noch Geschmackssache. Ich wünsche allen närrisch Infizierten viel Spaß. Den Nichtinfizierten kann ich nur raten, gründlich die Fernsehzeitungen zu studieren und die karnevalistischen Sendezeiten der verseuchten Sender zu meiden. Bis zum Aschermittwoch gilt dann die Devise - Durchhalten!