Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Klabauter ...

Klabauter ...

... so nannte man in früheren Zeiten diese Sagengestalten, die sich auf Schiffe schlichen und gestandene Seemänner verwirrten. Sie sollen unreale Sichtweisen erzeugt haben, erschufen Trugbilder und irritierten ganze Schiffsbesatzungen. Ja, sie schafften es sogar, funktionstüchtige Schiffe vom richtigen Kurs abzubringen. Klaubauter - unwirkliche Sagengestalten? Wirklich? Ich habe eher das Gefühl, daß sich eine große, sehr reale Horde von ihnen in die Neuzeit gerettet hat. Auf der Suche nach einer festländischen Betätigung, haben sie sich in so manchen Gehirnen breitgemacht, sich in Regierungsapparate geschlichen und auch Amtsstuben besetzt. Und wie schon zu damaligen Zeiten schaffen sie wieder unreale Sichtweisen, erzeugen Trugbilder, sorgen für Irritation und führen auf den falschen Kurs. Auch in unserer Region wurden ihre Tätigkeiten schon wahrgenommen. So sollen diese kleinen Kobolde bei gescheiterten Projekten, wie dem Cargo Lifter oder dem Lausitzring im Hintergrund agiert haben. Sogar in Beeskow sollen sie ihr Unwesen treiben. Wie könnte man es sonst verstehen, daß so manche Vermittlungsversuche durch das Arbeitsamt in die falsche Richtung zielen. So wurde erst kürzlich versucht, für eine sozialpädagogische Freizeit-, Ferien- und Bildungsstätte für Kinder und Jugendliche, Betreuungspersonal als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu vermitteln. Eigentlich löblich - auch wenn sich durch ein halbes Jahr Beschäftigungstherapie die schwierige Situation der Arbeitssuchenden nicht wirklich ändert. Das Problem ist hierbei aber ein anderes.
Die zur Vermittlung vorgeschlagenden Personen waren fast alle über fünfzig- teilweise sogar sechzig Jahre alt. Nun gibt es sicherlich Außnahmen, aber für einen Großteil dieser Altersgruppe stellt eine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine enorme nervliche Belastung dar. Doch bei diesem Bewerbungsgespräch standen gesundheitliche Attribute und persönliche Fitness wohl nicht zur Debatte. Wie muß man sich fühlen, zu einem Bewerbungsgespräch bestellt zu werden, obwohl man sich schon von vornherein nicht in der Lage fühlt, so eine Stelle anzutreten? Sicherlich kann man ja immer noch ablehnen. Wäre da nicht das Damoklesschwert, daß in Form einer Sperrfrist des Arbeitslosengeldes über den Köpfen der Betroffenen schwebt. Was also, wenn nur unzumutbare Angebote ins Haus flattern? Gilt das Prinzip „Friß oder Stirb"? Sollte der Arbeitssuchende letztendlich das Los entscheiden lassen?
Natürlich muß man bei dieser Problematik beachten, daß es für die sogennanten Schwervermittelbaren (ab einem Alter von fünfzig Jahren) eine 50 %ige Förderung aus der Staatskasse gibt. Das ist wichtig, und hilft Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu gleichen Teilen. Doch wer verantwortet eine Fehlbesetzung auf dem schwierigen pädagogischen Gebiet? In der Zeit der leeren Kassen wird natürlich auf Fördermittel spekuliert. Doch leider wird dadurch auch manchmal auf fachliche Kenntnisse und eine nötige Kompetenz verzichtet. Die Arbeit mit Kindern erfordert ein Höchstmaß an pädagogischem Wissen, nervliche Stärke und volle Leistungskraft.
Es ist sicher keine leichte Aufgabe, bei der jetzigen Lage auf dem Arbeitsmarkt die wenigen Jobangebote auch richtig zu vermitteln. Und daß erlernte Berufe und Traumjobs nicht mehr vom Himmel fallen, steht außer Frage. Trotzdem kann ich es gut verstehen, wenn Arbeitsangebote, die sich für den Suchenden als unrealisierbar darstellen, abgelehnt werden. Ich fände es sinnvoller, wenn bei solchen spezifischen Angeboten nicht nur auf eine Förderfähigkeit geprüft würde. So ließe sich dann auch verhindern, daß die Betroffenen in die Schiene der Arbeitsablehnenden gedrückt werden.
Ich möchte keineswegs behaupten, daß ein solches Verfahren die Regel ist. Aber die merkwürdigen Informationen von der selbsternannten „Achse der Welt - Arbeitsamt" häufen sich. Aus den Arbeitsämtern des ganzen Landes, ja des ganzen Staates, werden unverständliche Entscheidungen vermeldet. Und so sind wir wieder am Anfang meiner Kolumne.
Sie erzeugen unreale Sichtweisen, Irritationen, Kursabweichungen - eben die Klabauter.