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Knaupps Kolumnen

Ins Gesicht

So, daß wars. Heute liegt nun die letzte BSK dieses Jahres vor Ihnen. Wir machen jetzt eine dreiwöchige Pause und sind dann auch schon mitten im neuen Jahr. So richtig sentimental macht mich das aber nicht. Ich bin auch nicht gespannt auf die alljährlichen TV-Rückblicke. Die werden wohl auch in diesem Jahr nichts für schwache Nerven sein. Kriege, Terror, Seuchen, Armut und Umweltverschmutzung haben dort ja schon einen festen Platz. Hinzu kommen dann die jahresaktuellen Themen. In diesem Jahr wird ein Punkt die Kanzlerwahl inclusive Rot-Grünem Regierungstralala sein. Dann werden besondere Menschen vorgestellt. Höchstwahrscheinlich wird es dabei um die Verteidigerin des Kanzlergatten und den kaugummikauenden Torwart-Nationalhelden gehen. Wir werden einmal mehr von astronomisch hohen Arbeitslosenzahlen und den allgegenwärtigen Steuererhöhungen hören. Von den ersten obdachlosen Kältetoten, von durchgeknallten Menschenfressern und vielen anderen grausamen Verbrechen wird die Rede sein. Dieses Jahr hatte eben nicht viel Gutes zu bieten. Dafür haben wir einiges dazugelernt. Wir wissen jetzt, daß unsere Kinder auf der Weltblödheitsskala ganz oben stehen. Wir wissen jetzt, daß prominente Wahlkampfhelfer die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen haben und daß durch eine Währungsumstellung vieles teurer werden kann. Wir haben gelernt, daß die Zahl der skrupellosen Kopfkranken weltweit ständig zunimmt und daß in der sogenannte Ellenbogengesellschaft mittlerweile schon mit Füßen getreten wird. Wir mußten lernen, daß für eine handvoll Gewinner anscheinend Tausende verlieren müssen.
Wir können in diesem ganzen globalen Chaos aber vielleicht noch mehr lernen. Zum Beispiel, wie wichtig die kleinen, unauffälligen, alltäglichen Dinge des Lebens sind. Wenn die Welt mal wieder abdreht, merken wir noch stärker wie wichtig privater Rückenhalt, gegenseitiges Vertrauen und zwischenmenschliche Beziehungen sind. Ein starkes Umfeld kann uns in schwierigen Zeiten aufrechthalten, kann oftmals den freien Fall stoppen und vermag uns nach Stürzen wieder aufzurichten.
Und genau diesen Rückenhalt, dieses Vertrauen, die guten Freunde und den Spaß an kleinen alltäglichen Dingen wünsche ich uns allen zum bevorstehenden Fest und für das neue Jahr. Denn sicher ist, auch im nächsten Jahr bläst uns immer mal wieder kalter Wind voll ins Gesicht.