Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Grün würgt

Wer hätte das gedacht. Der Wahlslogan der Grünen „Grün wirkt" war ein Schreibfehler. Eigentlich sollte es heißen „Grün würgt"! Aber, da vor der Wahl immer ein bißchen weichgespült wird, wollten auch die Grünen nicht gleich einen Offenbahrungseid ablegen. Doch jetzt ist die Wahl gewonnen und der eigentliche Wahlsieger ist dunkelgrün. Sie dürfen wieder mitregieren und ihre Maßanzüge und Designerröckchen anbehalten. Doch bevor die alte neue Regierung überhaupt wieder richtig loslegen kann, bevor der Atomausstieg und die hohen sozialen Ziele in Angriff genommen werden können, muß Geld her. Also versuchen sie sich erst mal an ihrem Wahlslogan „Grün würgt". Durch ihr Wahlergebnis bestätigt, scheinen sie die Erhöhung der Ökosteuer als einen Liebesdienst an der Wählerschaft zu empfinden. Wie wäre es sonst zu verstehen, daß die Partei sofort nach der Wahl eine neuerliche Erhöhung der Spritpreise in Betracht zieht. Auch mit der Tabak- und Alkoholsteuer wird geliebäugelt. Getreu dem Spruch: „Macht kaputt, was Euch kaputt macht", scheinen die Grünen die Welt jetzt von allen Übeln befreien zu wollen. Klar, Autofahrer zerstören die Umwelt, Tabak macht krank und Alkohol macht blöd. Also weg damit. Brauch doch auch keiner. Die grünen Mitbestimmer Fischer, Trittin, Höhn, Künast usw. brauchen kein Auto - sie werden gefahren. Die restlichen Parteimitglieder scheinen alle Hardcore-Fahrradfahrer zu sein, die ihren Arbeitsplatz, den Öko-Bauernhof, gleich hinterm Häuschen haben. Am Abend, am heimisch-ökologischen Herd, wird dann mittels Kerzenlicht der Energieverbrauch gesenkt.
Der grüne Umweltexperte Loske ist der Meinung, daß durch eine weitere Erhöhung der Ökosteuer der Anreiz entstünde, den Energieverbrauch zu senken. Das ist ja auch ganz logisch. Wenn ich dann für meinen vollen Tank soviel zahle, daß ich die Energierechnung nicht mehr berappen kann, werde ich von meinem Energieanbieter automatisch zum Energiesparer gemacht. Aber die Mehrkosten für Benzin und Strom, so erklärte Loske, sollen durch eine Senkung der Lohnnebenkosten ausgeglichen werden. Bloß das nicht! Ich weiß ja schon jetzt nicht mehr wohin mit dem ganzen Geld, welches mir die Ausgleichungen von der letzten Ökosteuererhöhung eingebracht haben.
Die grüne Umweltministerin Bärbel Höhn (NRW) sucht nach einem Weg, daß die Erhöhung auf gesellschaftliche Akzeptanz stößt. Kein Problem, wenn man von einem Ministergehalt ausgeht. Ein Problem aber ganz sicher, wenn man auf den PKW angewiesen ist, um täglich zum Arbeitsplatz zu gelangen, um seinem Gewerbe nachzugehen, um Angebote für Kunden bezahlbar zu halten. Höhere Spritkosten schlagen sich auf jegliche Dienstleistungen nieder. Das Gefasel von irgendwelchen Ausgleichungen ist hierbei illusorisch.
Zum Glück wurde das Ansinnen der Grünen erstmal abgeschmettert. Doch ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Eigentlich hatte ich nie etwas gegen Grün. Und ohne Zweifel macht der Fischer seinen Außenminister-Job ganz gut. Aber wenn ich ehrlich bin, haben sie mir als Opposition mit Strickpulli und Turnschuhen besser gefallen.
Aber im Moment ...
...Grün würgt - ich auch!