Zeitung lesen
Knaupps Kolumnen

Selber schuld!

Es wird Zeit, daß bald das mediale Sommerloch eintritt. Warum? Na, ich hoffe doch, daß es dann weniger blöd im Gazettenwald rauscht. Im Moment gibt es doch wieder Nachrichten, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Ich meine nicht die allgegenwärtigen Kuriositäten aus Politik und Wirtschaft, ich meine eher die Banalitäten, die interessant verpackt, beim Lesen geistige Umnachtung herbeiführen. Ich gebe es ja zu, ich konsumiere gern Geschriebenes. Und gerade deshalb weiß ich auch, daß man bei derartiger Informationsaufnahme in Gefahr läuft zu verblöden.
Aber ich gebe Ihnen hier mal ein Beispiel. In einer großen renommierten Tageszeitung wurde mit journalistischem Ernst die Nachricht behandelt, daß ein Mann die Abfüllfirma eines Trinkwasserherstellers verklagt. Der Grund: eine tote Fliege in einer Wasserflasche hätte bei ihm schwere psychische Schäden hervorgerufen. Sein Sexleben wäre dadurch ruiniert, seine daraus folgenden Depressionen, Angst- und Beklemmungszustände hätten dazu geführt, daß sein Friseursalon mittlerweile den Bach runtergeht.
Tja, nun könnte man die Sache einfach so abtun. Wie wir alle wissen, die Doofen sterben nicht aus. Doch weit gefehlt, es gibt Blätter, die müssen uns so einen Nonsens als Schlagzeile des Tages präsentieren. Mich würde es nicht wundern, wenn sich eine Tierschutzorganisation hier einklinkt, und als nächstes Titelthema würde auf dieser Zeitung stehen: „Mord oder tragischer Unfall? Staatsanwaltschaft ermittelt in Sachen ertrunkener Fliege".
Jetzt möchte ich aber nicht als Nestbeschmutzer der schreibenden Zunft gelten, es gibt natürlich auch banale Nachrichten, die interessieren und den Denkapparat anstoßen. Eine solche Nachricht kam im März aus Fulda. Hier befindet sich eine Schlecker-Filiale in einem Haus, welches der katholischen Kirche, bzw. der St. Blasius Kirchengemeinde, gehört. Und weil das vermietete Gebäude eben Kircheneigentum ist, hat der ansässige Oberhirte und das bischöfliche Generalvikariat etwas gegen sogenannte Präservative. Das bedeutet, die Gefolgsleute von Anton Schlecker dürfen hier keine Kondome verkaufen. Nun wird der Anton daran nicht zugrunde gehen, und wir wissen ja auch, daß die katholischen Kirchenoberhäupter so ihre Probleme mit körperlicher Nächstenliebe haben. Aber sagen Sie mal ehrlich, hätten Sie als Kirchenvorsteher so ein Rummel um Kondome veranstaltet, wenn ihre Gemeinde „St. Blasius" heißen würde?
In einer Internetzeitung konnte ich lesen, daß zwei Hamburger Ökonomen herausgefunden haben, daß dicke Menschen erheblich zum Treibhauseffekt beitragen. Um dickere Menschen zu transportieren, würde im Straßenverkehr erheblich mehr Kohlendioxid ausgestoßen. Wären diese Menschen um fünf Kilo leichter, könne man den CO2-Ausstoß um 10 Millionen Tonnen verringern.
Ich weiß, was Sie jetzt denken, ich habe nach dieser Mitteilung auch gleich in meine Hüftgegend gefaßt. Man möchte ja nicht als Klimakiller diffamiert werden. Aber keine Panik. Auf die These der Ökonomen hat gleich ein anderer schlauer Mensch reagiert. Der stellte in seiner These klar, daß Dicke weniger kälteempfindlich seien als dünne Menschen, die eben leichter frieren. Da kugelförmige Körper weniger Wärme abgeben, bräuchten sie im Winter weniger zu heizen - und sparen Energie. Demzufolge sind also die maximal heizenden Dünnen als Klimasünder überführt. Ist doch völlig einleuchtend. Oder!?
So, das waren nun drei relativ aktuelle Nachrichten. Jetzt wissen Sie auch, warum ich denke, daß man bei derartiger Informationsaufnahme verblöden kann. Deshalb möchte ich Sie noch einmal in aller Form warnen. Lesen Sie bitte mein heutiges „So gesehen" nicht!
Wie, Sie haben es schon gelesen? Tja, da sind Sie jetzt selber schuld!