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Knaupps Kolumnen

Habt ihr fein gemacht

Auch wenn ich auf meinem Kolumnenfoto so vor mich hin grinse, so richtig zum Lachen ist mir diesmal nicht. Der Grund für mein Unwohlsein ist die neue „Hundehalterverordnung", die nun auch in Brandenburg Einzug gehalten hat. Nach den Angriffen von Hunden auf Menschen wurden Möglichkeiten gesucht, in Zukunft schlimme Beiß-Attacken zu verhindern. Hundehalter, die ihren Hund nicht artgerecht halten, nicht vernünftig mit ihm umgehen oder aber mit Methode die Aggressivität des Tieres fördern, sollten Ziel einer verschärften Verordnung werden. Einer Verordnung, die Mensch und Tier vor solchen Gehirn-Idioten schützt. Eine Verordnung, die richtig und notwendig gewesen wäre. Aber da in Deutschland nun mal geklotzt und nicht gekleckert wird, werden jetzt komplette Hunderassen und ihre Halter über einen Kamm geschoren und in Sparten eingeteilt. Ab der Risthöhe von 40 cm oder eines Gewichtes von über 20 Kilo werden Hund und Halter kriminell. Mit finanziellem Aufwand ist der Besitzer aber in der Lage, sein Tier zu entkriminalisieren. Dann gibt es die Sparte der Hunderassen, deren rassespezifischen Merkmale sie seit kurzem als gefährliche Hunde ausweisen. Neben elf Hunderassen, deren Namen ich noch nie gehört habe, sind auch der Dobermann und der Rottweiler mit von der Partie. Bei dem Versuch, durch ein Negativzeugnis den „Freispruch" des geliebten Vierbeiners zu erreichen, muß man dann schon tiefer in die Tasche greifen. Wer allerdings mit der dritten Hundesparte zusammenlebt, eben dieser Sparte, die das mediale Sommerloch gestopft hat, ist jetzt ein Kampfhunde-Besitzer egal ob das Tier wegen altersbedingter Schwäche keinen Zahn mehr im blutrünstigen Maul hat oder eben als Familienhund aufgezogen wurde - vor dem Gesetz sind alle gleich. Ähnlich wie früher in der Schule ein Klassentadel. Zwei bauen Mist, bestraft werden alle. Unsere Politik hat mal wieder gezeigt wie regiert und ignoriert wird. Ignoriert wurden die Wortmeldungen, die sich gegen die Verurteilung ganzer Hunderrassen gerichtet haben. Wortmeldungen von Tierärzten, von Tierpsychologen und allen, die im Umgang mit Hunden ihre Erfahrungen haben. Aber langsam sollte man sich ans Ignorieren gewöhnt haben (z.B.: Rechtschreibreform, EURO, usw.). Aber wenn ich höre, daß auf Grund der neuen Hundehalterverordnung eine Hatz auf die Vierbeiner losgetreten wird, die Tierheime aufgrund der „Kampfhundschwemme" aus den Nähten platzen und ganze Rassen systematisch ausgerottet werden sollen, vergeht mir das Grinsen vollkommen. Mit dieser Verordnung hat man meiner Ansicht nach am Ziel vorbeigeschossen. Hätte es nicht gereicht, eine Leinen- und Maulkorbverordnung in der Öffentlichkeit durchzusetzen und zu kontrollieren?
Die Urheber des ganzen Fiaskos werden auch weiterhin ihre Hunde scharf machen, egal welcher Rasse zugehörig. Alle normalen Hundehalter werden jetzt neben den jährlichen Hundesteuern nun auch noch die auferlegte Bürde der neuen Verordnung tragen müssen.
Auf die Initiatoren dieser Aktion dürfte ein alter abgewandelter Kinderreim zutreffen: „Habt ihr fein gemacht, habt ihr fein gemacht, nur leider nicht richtig nachgedacht."