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Knaupps Kolumnen

Mit Kanonen auf Spatzen

In der letzten Zeit häufen sich die postualen Übergriffe der Unteren Bauaufsichtsbehörde/Bauordnungsamt, auf die Briefkästen ansässiger Unternehmen. Grund der regen Geschäftigkeit seitens des Amtes sind die von den Firmen aufgestellten Richtungs- und Werbeschilder. Teilweise auf Privatgrundstücken und schon seit 10 Jahren am selben Platz, sind besagte Schilder nun für das Brandenburgische Ministerium für Bauen, Wohnen und Verkehr illegal errichtete Werbeanlagen, und somit ein Dorn im Auge. Nicht nur überdimensionale Leuchtreklamen, die die örtliche Beschaulichkeit stören könnten, sind gemeint. Gemeint sind auch die kleinen Schilder, die an Straßenrändern, Zäunen oder Ortseingängen stehen und dem ortsfremden Kunden den Weg zur jeweiligen Firma weisen. Gerade in unserer ländlichen Gegend notwendig - so möchte man meinen. Aber laut dem zuständigen Ministerium sind „Werbeanlagen gemäß § 13 Abs. 4 Nr. 1 BbgB0 nur an der Stätte der Leistung zulässig".

Das hieße im Klartext, daß Werbeschilder nur in der Nähe der Firma, des Betriebes oder des geschäftlichen Büros angebracht werden dürfen. Das würde bedeuten, daß gerade auf den Dörfern aber auch in der Stadt, Firmen, die nicht an den Hauptstraßen ansässig sind, keine Möglichkeit haben, auf ihr Unternehmen hinzuweisen. Das könnte dazu führen, daß Umsätze sinken und Arbeitnehmer entlassen werden müssen. Im schlimmsten Fall bedeutet es für so manche kleinere Firma sogar das Aus.

Werbung hin - Werbung her, nötig ist sie allemal. Ich könnte es verstehen, wenn dieser ganze Aufriß veranstaltet würde, weil ein riesig aufgeblasener Ronald McDonald auf der Beeskower St. Marienkirche im Winde vor sich hin wippt, wenn ewig rauchende Marlboro-Cowboys 24 Stunden lang Kühe auf dem Beeskower Marktplatz einfingen oder an der neuen Storkower Zugbrücke eine überdimensionale Always-Slipeinlage als Werbeträger befestigt wäre. In diesem Fall geht es aber meistens nur um besagte Hinweis- und Richtungsschilder.

Es scheint den Verantwortlichen im Ministerium und den Ämtern entgangen zu sein, daß die mittelständischen Unternehmen unsere wirtschaftlich nicht gerade reich beschenkte Region hochhalten, und immer wieder neue Arbeitsplätze schaffen. Wie sonst ließe sich erklären, daß in einer Zeit, in der die Arbeitsämter zum Bersten voll sind und viele Schulabgänger mangels Arbeitsplätzen die Region verlassen müssen, solche Beschlüsse gefaßt werden und mal wieder mit staatlichen Kanonen auf Spatzen geschossen wird.