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Knaupps Kolumnen

Wünsche und Träume

Gerade zur Weihnachtszeit bahnen sie sich gezielt den Weg in unsere Köpfe - die Wünsche und Träume. In der Zeit, in der man einen Gang zurückschalten kann und die Außenwelt sich ein wenig ruhiger zu drehen scheint, sind sie plötzlich wieder da. Die Wünsche und Träume, die übers Jahr oft im Alltagsstreß oder zwischen den persönlichen Sorgen verloren gegangen schienen, fordern jetzt wieder ihren Tribut. Daß in der heutigen Zeit, Filme wie „Harrt' Potter" oder „Der Herr der Ringe" Rekordumsätze einfahren, kommt nicht von ungefähr.
Zaubern müßte man können. Träume und Wünsche erfüllen. Nicht nur die materiellen, nicht nur Haus, Boot, Urlaub und Auto. Es geht um Träume, die schon immer unerfüllt blieben, die bohren, die dem Gewissen unbequem werden können und die man oft von sich wegschiebt. Es geht um Wünsche, die nicht erreichbar scheinen und trotzdem zu den größten der Menschheit gehören. Doch jedes neue Jahr zeigt uns, wie weit wir von einer Verwirklichung dieser entfernt sind.
In der Zeit der rührenden Weihnachtsmärchen, der Vorfreude aufs kommende Fest und den Vorbereitungen für die Silvesterfeier, bleibt ein bitterer Beigeschmack. Der Geschmack von unerfüllten Wünschen und Träumen begleitet uns auch in das neue Jahr. Und von diesen gibt es viele.
Der ewige Traum vom großen Frieden wird auch im nächsten Jahr unerfüllt bleiben, und es werden wieder Milliarden Dollar und Millionen Euros in die Rüstungsindustrie und andere unsinnige Projekte fließen. Trotz Wissenschaft und Technik werden auch im nächsten Jahr wieder täglich Menschen durch Hungersnöte und an Seuchen sterben. Es werden auch im nächsten Jahr Regenwälder gerodet, trotz Fangverbot Wale geschlachtet, ganze Tiergattungen ausgerottet und auch die Massentierhaltung wird nicht von unserer Erde verschwinden. Es werden verwaiste Kinder weinen, Mütter und Väter trauern - Lebensträume werden zerbrechen. Es wird auch weiterhin gehaßt, zerstört und getötet. Der moderne Mensch wird auch 2002 seinen selbsterhobenen Status als intelligentestes Lebewesen auf unserem Planeten ad absurdum führen. Doch trotz der erscheinenden Unerreichbarkeit sind es gerade diese Träume und Wünsche, die es zu erhalten gilt. Sie sind der Motor für jedes Friedensgespräch, für die fieberhafte Suche nach Heilmitteln, für das Aufbegehren gegen Unrecht und für den Kampf gegen Not und Elend.
Ich wünsche uns allen ein ruhiges, friedliches Weihnachtsfest und für das neue Jahr - Wünsche und Träume.