Dr. med. Walter Weber wurde zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt

Von Michael Hauke

27 Prozesstage vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hamburg. Was nach einem Terroristenprozess klingt, war in Wahrheit der Rahmen für das Mammut-Strafverfahren gegen den Arzt Dr. Walter Weber. Am 8. Juni 2022 wurde Anklage gegen ihn erhoben, zweieinhalb Jahre später wurde er zu 22 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Damit folgten die fünf Richter (drei Berufsrichter plus zwei Schöffen) zu einhundert Prozent dem Antrag der Staatsanwaltschaft.
Er hätte sich des Ausstellens „unrichtiger Gesundheitszeugnisse“ schuldig gemacht. Es ging um 57 Maskenbefreiungsatteste – für Kinder, für Asthmatiker, für Menschen, die unter der Maske Gesundheitsprobleme hatten. Das Urteil wurde am 6. Dezember 2024 gesprochen. „Am Nikolaustag war die Bescherung“, blickt Dr. Walter Weber in unserem Gespräch nicht ohne Sarkasmus zurück. Er ging in Revision, doch der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil im vergangenen Jahr. Das höchste deutsche Gericht zog zwar fünf Fälle ab, aber das habe „das Urteil nicht gefährdet“, wie sich der BGH ausdrückte. Damit ist es rechtskräftig. Nicht nur die Haftstrafe auf Bewährung blieb, auch die enormen Gerichtskosten für 27 Prozesstage: „Das ist teuer, das kostet sehr viel Geld.“
Der Mediziner hatte bis zu seinem Urteil einen langen Weg der juristischen und politischen Verfolgung hinter sich. Als Mitbegründer der „Ärzte für Aufklärung“ war Dr. Weber den Behörden ein besonderer Dorn im Auge. „Wir haben ,Ärzte für Aufklärung‘ am 15.04.2020 gegründet. Wir waren die weltweit erste Ärzteorganisation, die sich zum Zweck der Bewertung und Aufklärung zur Corona-Thematik zusammengeschlossen hat. Darauf bin ich stolz!“
Der 1944 geborene Mediziner musste zwei Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. Eine Hausdurchsuchung ist wahrlich nichts für schwache Nerven. Im Januar 2022 drangen 15 maskierte Beamte mit kugelsicheren Westen und Pistolen in sein Haus in Hamburg ein. Seine Praxis befindet sich in seinem Privathaus. „Es wurde das gesamte Haus durchsucht – und das wirklich sehr gründlich“, schildert Dr. Weber den „Überfall“ am frühen dunklen Morgen. Wir müssen uns die Situation vor Augen halten: es geht hier nicht um einen Schwerverbrecher, es geht um einen Arzt, der „nach bestem Wissen und Gewissen“ (Genfer Gelöbnis) und sogar im Einklang mit der damals geltenden Corona-Verordnung Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht ausstellte. Deswegen wird sein Haus von 15 bewaffneten Einsatzkräften auf den Kopf gestellt. Dr. Weber fragte den Einsatzleiter: „Wissen Sie eigentlich, was Sie da tun?“ Der Mann gab keine Antwort, aber Dr. Weber erkannte, dass er sehr wohl wusste, was er mit seinem Großaufgebot zu erledigen hatte. Es ging um Einschüchterung.
Aber Dr. Walter Weber ließ sich nicht einschüchtern und fühlte sich weiter dem Hippokratischen Eid und seinem medizinischen Sachverstand verpflichtet: „Im April 2020 sagte die WHO, dass alle Studien gezeigt hätten, dass Masken nichts bringen – und am 27.04.2020 wird eine Maskenpflicht beschlossen!“ Das RKI war sich der Gesundheitsgefahr durch Masken voll bewusst. In den geleakten Protokollen ist das alles nachzulesen: „Kann noch interveniert werden? Es ist ungünstig und gefährlich, wenn Masken von Laien benutzt werden“, hieß es zum Beispiel am 16.11.2020. Da war die Hausdurchsuchung gegen denjenigen, der nicht nur im Sinne des Berufsethos, sondern auch im Sinne des RKI „intervenierte“, offenbar längst beschlossene Sache. Dem Mitbegründer der „Ärzte für Aufklärung“ sollte eindringlich klargemacht werden, dass der Staat medizinische Kritik an den Zwangsmaßnahmen und Befreiungen von der Maskenpflicht nicht duldet.
Dr. Weber: „Die Maske war eine demütigende Unterwerfungsgeste. Wer sie nicht trug, der unterwarf sich nicht.“
Der Hamburger Internist gab nicht klein bei und stellte auch nach dem Großeinsatz der Polizei weiterhin Maskenbefreiungsatteste aus, wenn sie medizinisch notwendig waren. Das führte zu einer zweiten Hausdurchsuchung, die ein knappes halbes Jahr später stattfand.
Vor seinem Prozess musste Dr. Walter Weber 37-mal als Zeuge bei Verfahren gegen seine Patienten aussagen. „Die Urteile gingen von Freispruch bis zu 7.200 Euro Strafe. Immer aufgrund eines Maskenbefreiungsattestes, das ich ausgestellt hatte.“ Der Arzt hatte also schon einige Gerichtsverfahren erlebt, bevor er selbst als Angeklagter vor die Große Strafkammer des Hamburger Landgerichts trat. In dem langen Verfahren traten rund 15 Patienten als Zeugen auf. Die vorgeladenen Menschen bestätigten einhellig, dass die jeweilige Befreiung einen medizinischen Grund hatte. Doch das half Dr. Weber nichts. „Ich habe mich strikt an die Berufsordnung und auch an die geltende Corona-Verordnung gehalten. Das nützte alles nichts. Der klare Wille zur Verurteilung war von Anfang an zu spüren. Medizinisches Wissen zählte vor Gericht gar nichts. Es ging um politische Vorgaben, und daran haben sich die Gerichte gehalten. Sie haben einfach mitgemacht – wie so viele einfach mitgemacht haben.“
Als wir bei diesem Thema sind, legt Dr. Weber nach: „Wissen Sie, ich habe mich viel damit beschäftigt, wie es gelingen konnte, dass so viele das Offensichtliche nicht sahen und stattdessen blind dem Narrativ gefolgt sind. Wie funktionierte das? Da war zum einen die gewaltige Propaganda, die bei vielen Menschen eine reale Todesangst ausgelöst hat. Dazu kam ein riesiges Informationsdefizit beim größten Teil der Bevölkerung. Alle abweichenden Informationen wurden ja abgeschaltet.“
Etwas ganz Wichtiges war aber laut Dr. Weber noch etwas anderes: „Dazugehörenwollen! Viele Menschen spüren das Bedürfnis, zur Mehrheit gehören zu wollen. Dieses Bedürfnis wurde durch Corona optimal gedeckt. Auf einmal durfte jeder andere Menschen in der Öffentlichkeit anschreien, beleidigen und demütigen und dabei das sichere Gefühl haben, dass die Mehrheit ihm zustimmt. Dieses Gefühl der Macht war ein wichtiger Faktor.“
Und bei den Ärzten? Dr. Weber geht davon aus, dass über 99% der Mediziner das Corona-System mitgetragen haben: „Als ,Ärzte für Aufklärung‘ haben wir Umfragen gemacht. Demzufolge waren 400 bis 800 Mediziner im Widerstand. Das sind 0,26 bis 0,5%.“ Der Rest war bei Corona voll dabei. Dr. Weber: „Der letzte Punkt war das Geld. Wenn man durch das Spritzen einfach mal ein Einfamilienhaus mitnehmen kann, dann vergessen viele ihre Ethik. Aber ich bin nicht käuflich! Die hätten mir sonst wieviel Geld bieten können, ich hätte niemals mitgemacht. Ich handele doch nicht gegen mein medizinisches Wissen und mein medizinisches Ethos.“
Ob er sich der Tragweite des Ausstellens von Maskenbefreiungen bewusst war? „Ich habe gewusst, es kommt nicht gut an, aber dieses Ausmaß konnte ich mir nicht vorstellen.“ Rückblickend sagt er: „Ich bin Mediziner, ich musste es besser wissen. Deswegen war das für die so brisant. Es ging nicht anders, ich musste etwas dazu sagen, sonst wäre ich innerlich tot gewesen.“
Wie andere verurteilte Ärzte glaubt auch Dr. Weber an seine volle Rehabilitierung, und geht noch einen Schritt weiter: „Wir werden erleben, dass die wahren Corona-Verbrecher vor Gericht gestellt werden.“ Es klingt wie ein Appell: „Wenn genug Leute das denken, dann kommt es auch in die Tat!“

Total Views: 8.362Daily Views: 4