Interview mit dem wiedergewählten Bürgermeister Matthias Rudolph

FW: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl. Das Ergebnis in der Stichwahl war am Ende deutlicher als erwartet. Worauf führen Sie Ihren Wahlerfolg zurück?
Matthias Rudolph: Ich denke, drei Dinge waren hier entscheidend. Einerseits war es die Mobilisierungskampagne in den zwei Wochen zwischen Hauptwahl und Stichwahl. Sehr viele meiner Unterstützer, genau wie ich selbst, haben wirklich alles Mögliche unternommen, um ihr gesamtes Umfeld zu mobilisieren – Freunde, Bekannte, Verwandte, Nachbarn. Sogar Menschen, die selbst nicht in Fürstenwalde wohnen, haben mich dabei unterstützt, möglichst viele Menschen zur Wahl zu bewegen. Der zweite Faktor war die sehr breite Verankerung in der Stadt. Aus allen möglichen Teilen der Bevölkerung habe ich eine unfassbare Unterstützung erfahren. Allein auf meiner Webseite haben sich 91 Unterstützer eingetragen. Menschen wie du und ich. Darauf bin ich sehr stolz und genauso dankbar. Solchen Rückhalt hat man eben nur, wenn man die Stadt kennt, wenn man hier großgeworden ist und wenn man immer ein offenes Ohr für die Belange vieler hat. Der dritte Faktor waren die von mir gesetzten Themen. Offenbar hatte ich in den letzten acht Jahren das Ohr an den Bürgern und habe daraus die richtigen Ableitungen getroffen.
FW: Sie haben in der Stichwahl 1.310 Stimmen mehr erhalten, als im ersten Wahlgang…
Matthias Rudolph: Ja, es sieht so aus, als konnte ich viele Wähler gewinnen, die zuvor ihre Stimme an Herrn Ristau und Frau Schleusner gegeben haben. Rein rechnerisch jedenfalls. Es gab ja sehr diffuse Wahlempfehlungen der unterlegenen Kandidaten der ersten Runde. Thomas Apitz und Juliana Kluge hatten erwartungsgemäß eine klare Empfehlung für meinen Gegner ausgesprochen. Bei der Unabhängigen Fraktionsgemeinschaft (UFG) in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) war sehr erstaunlich, dass einige von ihnen nicht etwa bei ihrem Fraktionsmitglied René Ristau den Wahlabend des ersten Wahlgangs verbrachten, sondern bei Herrn Papendieck. Genauso erstaunlich war, dass die FDP um den Kandidaten Steven Fechtner keine Wahlempfehlung abgab, jedoch das einzige FDP-Mitglied in der SVV, Reinhard Ksink, sich der UFG-Empfehlung anschloss. Am Ende hat diese Verbrüderung aller etablierter Parteien nichts geholfen. Ich konnte mein Ergebnis auch gegenüber 2018 steigern. Damals gaben 5.732 Fürstenwalderinnen und Fürstenwalder mir ihre Stimme. Das sind also diesmal 847 mehr als zuvor.
FW: Sie haben nicht nur von Anfeindungen, sondern auch von Angriffen auf ihre Wahlhelfer berichtet. Was ist genau passiert?
Matthias Rudolph: Das war kein Wahlkampf mehr, das war Wahlkrieg. Das ist alles so unglaublich, dass ich das selbst überhaupt nicht fassen kann: Da wurde ein fast 90-jähriger Unterstützer über Ostern mit anonymen Anrufen traktiert. Tenor war, wenn er mich weiter unterstützt, dann könne er zukünftig seine Projekte vergessen. Eine junge Frau wurde bei der Fahrzeugwäsche bedroht. Man sprach davon, ihr die Haare rausreißen zu wollen und „Ihre Karre anzustecken“. Eine weitere Frau musste sich vor Kollegen und geschäftlichen Partnern dafür rechtfertigen, warum sie mich denn offen unterstützt. Einer anderen wurde untersagt, mit bestimmten Menschen zu reden, und sie sollte sich dafür rechtfertigen, dass sie mit mir gesprochen hatte. Die junge Frau, welche ihren Namen auf einen Flyer als Verantwortliche im Sinne des Presserechtes (V.i.S.d.P) drucken ließ, wurde zu Hause von fremden Personen aufgesucht und man versuchte, Druck auf sie auszuüben. Ich glaube der Herr Christoph Aust, der als V.i.S.d.P auf dieser Schmähschrift namens „Spartext“ auftauchte, wurde nicht so angegangen. Bernd Norkeweit, unser „Regionalist“ und Träger des Goldenen Raben der Stadt, wurde als Opportunist und Nazi beschimpft, weil er es wagte, auf meiner Wahlparty mit mir zusammen ein Foto zu machen und dieses auch zu veröffentlichen. Aber das ist alles noch nichts gegen die körperlichen Attacken, die einer meiner Wahlhelfer aushalten musste. Ja, er wurde wirklich tätlich angegriffen. In dem Zusammenhang erscheint es dann geradezu grotesk, dass sich Herr Papendieck in einem Video als Opfer eines Angriffs darstellte, der sich im Nachhinein als ein Streit unter Dritten herausstellte, in den er sich einmischte und dabei von einer Person lautstark zum Heraushalten aufgefordert wurde.
Das Schlimmste ist jedoch, dass all diese Anfeindungen und Angriffe genau von den Menschen kamen und weiterhin kommen, die stets von Toleranz und Meinungsfreiheit sprechen, die eine Spaltung der Stadt beklagen, während sie selbst diejenigen sind, die die Spaltung vorantreiben. Von keinem einzigen Funktionär der Unterstützer von Herrn Papendieck oder von ihm selbst habe ich eine klare Distanzierung von diesen Dingen gehört. Selbst nach der Wahl machen diese Menschen, die vorgeben, „unsere Demokratie“ zu schützen immer weiter.
FW: Halten Sie eine Überwindung der tiefen Spaltung in der Stadtverordnetenversammlung für möglich?
Matthias Rudolph: Ja, das halte ich für möglich. Wenn die Parteien auf der Unterstützerliste des Herrn P. im Gegensatz zu 2018 diesmal dazu in der Lage sind, ein demokratisches Wahlergebnis anzuerkennen. Der Wahlausgang war eindeutig, der Abstand war groß. Die Briefwahl war jedenfalls nachweislich nicht zu meinen Gunsten manipuliert worden. Ein (fast) Allparteienbündnis hat alles auf eine Karte gesetzt, alle Register gezogen, mit Lügen, Diffamierungen und Denunziation gearbeitet. Und trotzdem ist es nicht gelungen, mich aus dem Amt zu bekommen. Ich hoffe wirklich sehr, dass diese Kräfte sich besinnen, sonst dürfte die Kommunalwahl in drei Jahren ein Ergebnis bringen, dass für eben diese Parteien wohl nicht gut ausgehen wird. Diese Zweckbündnisse wie die UFG werden kaum Verbesserungen für die Stadt bringen. Persönliche Fehden haben keinen Platz in der SVV, das haben die Wählerinnen und Wähler eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht. Ich fordere also alle Kräfte der SVV auf, in den Dialog mit mir zu treten. Ich gehe auch davon aus, dass sie verstehen, dass es mindestens genauso ihre Aufgabe ist, auf mich zuzukommen. Bislang hat es jedenfalls nur eine einzige Person aus dem gesamten Papendieck-Kreis hinbekommen, mir zum Wahlsieg zu gratulieren. Auf mein Gesprächsangebot, das ich am Tag nach der Wahl ausgesprochen habe, hat ebenfalls noch keine der Unterstützerfraktionen von Papendieck reagiert.
FW: Sie stecken schon wieder voll im Job. Gleich beginnt eine Dienstberatung. Was haben Sie sich konkret für Ihre zweite Amtszeit vorgenommen?
Matthias Rudolph: Ich habe ja sehr viele Themen und Anliegen in meiner Broschüre und auf meiner Webseite dargestellt. Diese stellen die Agenda für die nächsten acht Jahre dar. Den Start in die zweite Amtszeit werde ich ganz anders gestalten als den Start in die erste. Eine Schonfrist gibt es nicht, ich muss schließlich nicht eingearbeitet werden. Also erwarten die Angestellten der Verwaltung genauso wie die Wählerinnen und Wähler, dass es sofort mit der Umsetzung losgeht. Ich werde also viele Besprechungen mit den einzelnen Dezernaten und Ämtern, genauso wie mit den Geschäftsführern unserer Gesellschaften durchführen, um mein Programm zu erläutern und die Umsetzung zu gewährleisten. Ich gehe davon aus, dass alle mitziehen. Wer das nicht möchte, wird nicht gezwungen. Aber für das Programm bin ich gewählt worden, dafür habe ich ein Mandat, also gilt es jetzt als Arbeitsauftrag an mich, die SVV und die gesamte Verwaltung.
FW: Was steht oben auf Ihrer Agenda?
Matthias Rudolph: Auf meinen Plakaten stand „Bildung zuerst“. Also steht das auch ganz oben. Der neue Kita-Eigenbetrieb soll ab dem 01.08.2026 die erste Einrichtung übernehmen, und dafür sind noch einige Vorbereitungen zu treffen. Leider ist da in meiner Abwesenheit einiges in die falsche Richtung gelaufen bzw. ist liegengeblieben. Aber das Team dahinter macht großartige Arbeit, und wir werden die Zeit wieder aufholen.
Und natürlich das Thema Stadtpolizei. Dazu wird das Konzept so fertiggestellt, dass es beim Innenministerium als Pilotprojekt eingereicht werden kann. Dazu hole ich mir auch noch die Rückendeckung meiner Kolleginnen und Kollegen aus dem Städte- und Gemeindebund. Anschließend folgt der persönliche Termin mit Innenminister Redmann.
Die Fragen stellte Michael Hauke.

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