Reaktionen auf den Bericht über die inhaftierte Ärztin Dr. Bianca Witzschel

Von Michael Hauke

„Wenn es uns nicht gelingt, zu Menschlichkeit, Liebe und Frieden zurückzufinden, sind wir umsonst auf der Welt gewesen.“ Das sagte mir die wegen Corona-Attesten inhaftierte Ärztin Dr. Bianca Witzschel, als ich sie im Mai in der JVA Chemnitz besuchte.
Der Artikel, den ich dazu in der vergangenen Ausgabe veröffentlichte („Im Gefängnis wegen Corona-Attesten“), sorgte bundesweit für Aufsehen. Die Anfragen nach der Zeitung mit diesem Artikel gingen bis an den Bodensee. Auch Peter Hahne, ehemaliger ZDF-Moderator reagierte. Er schrieb uns einen sehr emotionalen Leserbrief: „Beim Lesen geweint: Epochaler Artikel“ (siehe Leserforum). Auch Frau Dr. Witzschel selbst schrieb eine Karte aus der Haft, siehe weiter unten.
Bei Telegram und Facebook sind meine Beiträge zu dem Schicksal von Frau Dr. Witzschel über 170.000 Mal angeklickt worden. Es gab rund tausend Kommentare auf meiner FB-Seite, die ich zwar nicht alle lesen, mir aber einen Überblick verschaffen konnte. Die meisten waren voller Empathie. Viele waren aufrichtig erschüttert und fragten, wie sie helfen könnten. Während der Haft ist auch noch ihr Haus mit Praxis zwangsversteigert worden.
Aber es gab auch ganz andere Reaktionen. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft nämlich erneut Anklage gegen die Ärztin erhoben, wieder wegen des Ausstellens von Maskenbefreiungen, wieder droht eine langjährige Haftstrafe. Ein Nutzer namens Alois Schneider schrieb auf meiner Facebook-Seite: „Hoffentlich verbraten sie der nochmal ein paar Jahre, damit sie darüber nachdenken kann, was es bedeutet, seine Stellung dermaßen zu missbrauchen. Scheiß Querdenker-Schwurbler-Nazis. Haben nur rumgenervt und machen das immer noch, obwohl sie mit nichts – aber auch gar nichts – Recht hatten.“ Von einem Daniel Boos kam folgender Kommentar: „Die Alte hat zum Glück keine Sprechstunde mehr.“ Ein Bernd Breuning schrieb: „Hoffentlich kommt diese Hexe nie mehr raus und verrottet in ihrem Loch!“
Man könnte Psychologen fragen, was die tägliche Hetze gegen Maßnahmengegner und Ungeimpfte oder gar die Impfung selbst bei diesen bedauernswerten Menschen angerichtet hat. Oder man setzt ihnen einfach den Satz von Bianca Witzschel entgegen: „Wenn es uns nicht gelingt, zu Menschlichkeit, Liebe und Frieden zurückzufinden, sind wir umsonst auf der Welt gewesen.“
Damit Sie das Lesen dieses Artikels an dieser Stelle nicht deprimiert abbrechen, hier noch ein paar freundliche Facebook-Kommentare. Heike Hoffmann schrieb: „Eine tolle Ärztin, die ihren Eid noch ernstgenommen hat und ihre Patienten vor dem Wahnsinn geschützt hat.“ Dorfkind Tina: „Danke, dass Frau Doktor nicht in Vergessenheit gerät. So eine Farce. Die Mörder laufen frei rum.“ Inge Albert kommentierte: „Vielen Dank, dass Sie sich kümmern und uns aufklären. Es ist eine Katastrophe, wie hier in Deutschland mit den Ärzten umgegangen wird, die andere Menschen geschützt haben. Es sitzen die Falschen in den Gefängnissen. Ich hoffe, dass es bald zur Aufarbeitung der ganzen Corona-Zeit kommt und die Richtigen ihre Strafen bekommen. Freiheit für die Ärzte!“
Mitgefühl, Empathie und Zuspruch für die gefangengehaltene Ärztin überwiegen deutlich, aber der unverhohlene Hass auf die wenigen Mediziner, die bei Corona nicht mitgemacht haben, ist deutlich vernehmbar. Frau Dr. Witzschel ist ja bei weitem nicht die Einzige, die zu einer Haftstrafe verurteilt wurde – und das obwohl in den RKI-Dokumenten alles eindeutig belegt ist: dass es keine Pandemie gab, dass das Tragen von Masken nicht vor Ansteckung und Weitergabe schützt, sondern im Gegenteil „ungünstig und gefährlich“ ist, dass die Lockdowns viel mehr Schaden machten als Corona selbst, dass die Impfung zu Todeswellen in den Heimen führte, dass es keine „Pandemie der Ungeimpften gab“ und und und. Spätestens die RKI-Files belegten eben, dass die „Querdenker-Schwurbler-Nazis“ in allem – eben wirklich in allem – Recht hatten.
Aber so viele – zu viele – haben willfährig mitgemacht und Freunde, Bekannte und Verwandte ausgegrenzt, stigmatisiert und beleidigt, wie sie es täglich von Politik und Medien gehört hatten. Auch wenn es bei einigen dämmern mag, ist es so unendlich schwer, einzusehen, dass man nicht nur von vorn bis hinten belogen, sondern auch noch völlig ohne jeden Grund gegen seine Mitmenschen aufgehetzt wurde. Anders ist ein Kommentar, wie „Hoffentlich kommt diese Hexe nie mehr raus und verrottet in ihrem Loch!“ nicht zu erklären. Solch ein Hass gegen jemanden, der niemandem geschadet, aber vielen Menschen geholfen hat, ist ein sichtbares, nachhaltiges Resultat der jahrelangen Hetze. Derselbe Richter, der die Ärztin zu zwei Jahren und acht Monaten verurteilte, ohne dass im gesamten Verfahren auch nur ein Geschädigter präsentiert werden konnte, hatte drei Monate davor einen dreifachen Vergewaltiger auf Bewährung freigelassen. Ich hatte in meinem Bericht aus dem Gefängnis diesen Umstand erwähnt, was für diese Menschen kein Grund zur Aufregung war, aber der inhaftierten Fachärztin für Pharmakologie und Toxikologie wünscht tatsächlich jemand, sie möge nie wieder rauskommen und in ihrem Loch verrotten. Ob Politik und Medien jemals reflektieren werden, was sie für einen fürchterlichen Hass gesät haben?
Die Reaktionen auf meine Reportage zeigen, dass die durch Corona entstandene Spaltung der Gesellschaft nach wie vor tief ist. Und es wird wohl Generationen dauern, bis diese Gräben zugeschüttet sind – wenn nicht alles wieder von vorn beginnt. Bei Klima, Kriegstüchtigkeit, Genderagenda und Massenzuwanderung verlaufen die Grenzen an derselben Sollbruchstelle. Wer das herrschende Narrativ anzweifelt, dem schlägt der Hass derjenigen entgegen, die nicht ertragen, dass es andere Meinungen gibt. Je besser sie begründet sind, desto größer der Hass. Hier die Guten, dort die „Querdenker-Schwurbler-Nazis“, wie der Facebook­nutzer Alois Schneider schrieb. Hirnforscher haben inzwischen festgestellt, dass Liebe verzeiht, aber Hass verzerrt. Wenn der Hass das Denken übernimmt, gibt es nichts anderes mehr; die Liebe weicht.
Frau Dr. Witzschel schrieb mir nach dem Erscheinen des Artikels (auch den Leserbrief von Peter Hahne hatte ich ihr über Umwege weitergeleitet): „Ihr Artikel und Ihr Interview im Kontrafunk hatten große Reichweite. […] Die Worte von P. Hahne sind ja sehr deutlich. Zum Glück kommt die Wahrheit immer mehr ans Licht. Für all Ihr Tun, die lieben Grüße und Wünsche kann ich nur danke, danke, danke sagen und bitte um Weitergabe an die vielen lieben Menschen da draußen. Es tut unsagbar gut, all das erfahren zu dürfen. Von ganzem Herzen, Ihre Bianca“

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