Der Allparteien-Kandidat

Wenn von CDU bis Linke alle Parteien auf einem Wahlplakat stehen, könnte das Otto Normalverbraucher auf die Idee bringen, dass hier etwas faul ist. Beim Poster des SPD-Bürgermeisterkandidaten Mathias Papendieck ist genau das der Fall. Für dieses Allparteien-Phänomen könnte es mehrere Gründe geben. Erstens: Die einzelnen Parteien sind inzwischen so abgenutzt, dass sie einfach keine eigenen Kandidaten aufstellen können, und schon gar nicht einen aus Fürstenwalde. Zweitens: Die Unterschiede der Parteien sind mittlerweile so gering, dass sie sich wie eine Einheitspartei fühlen und auch so auftreten. Oder drittens: Der Kandidat ist so gut, dass es einfach unmöglich ist, einen Besseren zu finden.
Zumindest bei der letzten Möglichkeit kommen dem geneigten Betrachter Zweifel. Denn Mathias Papendieck ist vor etwas mehr als einem Jahr als Bundestagsabgeordneter abgewählt worden. Da gab es offensichtlich einen Besseren… Er verlor sein Direktmandat und hatte auch über die Landesliste keine Chance auf einen Wiedereinzug. Nach vier Jahren war Schluss für den Schöneicher. Ihm blieb noch seine Funktion als SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag und als SPD-Gemeindevertreter in Schöneiche. Ein bisschen wenig für einen Berufspolitiker, der im Bundestag monatlich einen fünfstelligen Betrag kassierte. Da darf man sich schon fragen, was einen Schöneicher, der in Fürstenwalde kommunalpolitisch noch nie in Erscheinung getreten ist, dazu treibt, sich als Bürgermeister für die größte Stadt im Landkreis Oder-Spree zu bewerben. Ist es auf einmal aufgeflammtes Interesse für die Spreestadt oder eher Interesse für einen finanziellen Ausgleich nach dem Wegfall des Bundestagsmandats?
Dass ein gescheiterter SPD-Bundestagsabgeordneter aus Schöneiche neuer Fürstenwalder Bürgermeister einer Allparteien-Koalition werden soll, könnte manchen Bürger der Stadt zusätzlich motivieren, am 12.04.2026 sein Kreuzchen beim Fürstenwalder Amtsinhaber Matthias Rudolph zu machen. Diese Art der Unterstützung könnte zum Bumerang werden. Aber wer weiß? Vielleicht wollen die Fürstenwalder Herrn Papendieck auch gern versorgen.
Michael Hauke

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