von Jan Knaupp
So, da bin ich wieder. Es ist 8:21 Uhr am 04. Januar 2026, ich sitze gerade am Laptop und schaue dabei durch die Terrassentür in einen verschneiten Sonntagmorgen – und ich schreibe meine erste Kolumne für 2026. Besser gesagt, ich versuche, meine erste Kolumne für 2026 zu schreiben. So richtig leicht fällt es mir aber noch nicht. Die üblichen TV-Sendungen mit den großen Jahresrückblicken machen es mir dabei nicht leichter. Auch das Jahr 2025 hat sich weltweit nicht mit Ruhm bekleckert, es hat sich keine Mühe gegeben, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Damit reiht es sich nahtlos an die unerfüllten Erwartungen, die zerstörten Wünsche und die vergeblichen Hoffnungen der vergangenen Jahre an.
Ich persönlich komme zu Beginn eines neuen Jahres immer schwer in die Gänge. Das liegt an meiner alljährlichen Januarschwere, die mich nach den Feiertagen und dem Jahreswechsel ereilt. Da bekomme ich diese melancholischen Momente, Gedanken an Verlust, Vergänglichkeit und verpasste Chancen. Zusätzlich greift dann noch so ein genereller Weltschmerz nach mir – „Don’t worry be happy“ geht anders. Ich bin dann einfach noch nicht soweit für einen Neustart.
Ich habe Anfang Januar mit dem alten Jahr noch nicht ganz abgeschlossen, da knallt mir schon das neue mitten ins Gesicht. Dabei war ich mit meiner Abrechnung für 2025 noch nicht fertig. Ich hatte doch mit dem vergangenen Jahr noch ein Hühnchen zu rupfen. Ich wollte ihm mal klar machen, dass es sich in den letzten zwölf Monaten nicht immer fair verhalten hat, dass es sich manchmal wirklich wie ein Arschloch benommen hat. Ich wollte ihm noch einmal so richtig die Meinung geigen und meinen Ärger über seine Jahresbilanz zum Ausdruck bringen. Ich wollte dem alten Jahr für all seine Verfehlungen, Desaster und Unmenschlichkeiten zum Abschied richtig die Leviten lesen. Aber ich wollte ihm auch danken. Danken, für die schönen Momente. Danken, für die Augenblicke, in denen Liebe, Mut und Zuversicht überwogen haben.
Das ändert aber trotzdem nichts an meiner Grundhaltung zum Jahr 2025. Das alte Jahr war arschig!


