von Jan Knaupp

Am 14. Februar ist Valentinstag. Nun denken Sie sicherlich, bis dahin ist ja noch etwas Zeit. Aber da ich ja von männlichem Geschlecht bin, weiß ich, wie schnell wir Kerle in arge Nöte kommen können, weil die Datumsspeicherplätze unter unseren Geheimratsecken über die Jahre sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nach meiner eigenen Erkenntnis ist die Aufnahmefähigkeit des männlichen Gehirns ungefähr mit einem Dachboden zu vergleichen.
Kurz nach der Geburt ist dieser noch relativ leer. Also ähnlich wie bei einem neu gebauten Haus. Doch von Jahr zu Jahr wird dieser Dachboden langsam gefüllt. Wichtige und unwichtige Informationen, Erinnerungen, Begebenheiten und Termine türmen sich alsbald übereinander. Fast täglich kommt ein neuer Gehirn-Dachbodeninsasse dazu. Nach ein paar Jahren liegt auf den ganz hinten eingelagerten Infos schon dick der Staub, während sich der Stauraum nach vorn immer mehr verkleinert. Und da wir Männer oft besseres zu tun haben als ständig zu ordnen, zu sortieren und aufzuräumen, kann es passieren, dass besagter Dachboden irgendwann proppevoll ist. Und dann haben wir ein Problem. Termine, die neu dazu kommen, gehen schneller verloren, althergebrachte Daten sind unter einer undurchdringlichen Dreckschicht verschwunden.
Komischerweise scheint das beim weiblichen Gegenpart anders zu sein. Aber der feine Geschlechterunterschied ist ja hinlänglich bekannt. Und da Frauen eigentlich keine Erinnerungsstützen oder gar Geschenkvorschläge brauchen, sind die nachfolgenden Tipps eher für uns männliche Dachbodenvollsteller gedacht. Um jetzt wieder zum roten Faden meiner Erörterungen zurückzukommen – am 14. Februar ist Valentinstag. Und da zählen keine Ausreden. Der Termin steht, und bei Vergessen kann es schnell passieren, dass ein gut gepflegter Haussegen plötzlich ins Wanken kommt. Also ran ans Geschenkeersinnen.
Die Möglichkeiten sind vielfältig. So wirbt ein Anbieter mit Grundstücken auf dem Mond, dem Mars oder der Venus. Ganz offiziell kann man da eigenes Land erwerben. Nach Abdrücken des Kaufpreises erhält man auch ein dekoratives Eigentumszertifikat. Wenn Sie der Dame ihres Herzen einmal überdrüssig sind, haben Sie auch gleich ein Ziel, auf welches die Altlast dann geschossen werden kann (T‘schuldigung, war nur‘n Spaß)!
Oder wie wäre es mit einer Sternentaufe? Das ist ja so romantisch! Ein Stern am Himmel, getauft auf den Namen der Liebsten? Nach dem Entrichten einer unbeträchtlichen Endsumme haben Sie dann die Gewissheit, dass am nächtlichen Himmel ein Stern nach Ihrem Sternchen benannt ist. Wer mit einer Realistin zusammenlebt und mit ihr ein gemeinsames Konto führt, sollte auf diese Geschenkidee besser verzichten. Wenn Sie ihrer Frau eins auswischen wollen – übers Internet kann man einen Mitflug in einem Kampfjet buchen. Dauererbrechen inklusive. Auch Silikonimplantate zur Aufstockung eventueller Körpereigenheiten, die sich durch alltäglichen Gebrauch vielleicht abgenutzt oder der Schwerkraft gebeugt haben, stehen hoch im Kurs. Doch hierbei ist äußerste Vorsicht geboten. Dieses Geschenk zur falschen Zeit und ohne vorheriges Wissen um den Wunsch nach diesen Büstenhebern könnte den Haussegen komplett abstürzen lassen!
Vielleicht versuchen Sie es dann lieber mit den sogenannten „Trend-Ostprodukten“. Die sind wohl wieder angesagt. Obwohl ich glaube, dass eine Büchse Halberstädter Würstchen auch nicht die ideale Geschenklösung wäre. So, jetzt müssen Sie allein weiter kämpfen. Ich habe mein Bestes gegeben. Sagen Sie hinterher bloß nicht, ich hätte nicht alles versucht, um Ihnen aus der Valentinstag-Misere zu helfen. Wenn Ihnen jetzt immer noch nichts einfällt, versuchen Sie es einfach mit Blumen. Oder Sie täuschen just an dem besagten Tag Zahnschmerzen vor. Die Mitleidsmasche zieht eigentlich immer!
Am Valentinstag müssen Sie aber eventuell damit rechnen, dass Ihre Liebste Sie mit einem kalten Lächeln zu einer Zahnärztin schleift. Über das Honorar für eine extra schmerzhafte Wurzelbehandlung wird sie sich mit der behandelnden Kampfgefährtin schon einig. Frauen sind grausam!

„Frauen sind grausam!“ ist im Januar 2010 erschienen und wurde 2014 im Buch „So gesehen“ veröffentlicht.

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