Zu Besuch bei Dr. med. Bianca Witzschel
Von Michael Hauke
Es ist ein regnerischer und nasskalter Dienstagmorgen im Mai. Ich mache mich von Ostbrandenburg auf den 300 Kilometer langen Weg ins südwestliche Sachsen. Die Justizvollzugsanstalt Chemnitz ist mein Ziel. Hier werde ich mich um 10:30 Uhr mit Dr. Bianca Witzschel treffen. Sie ist Fachärztin für Pharmakologie, Toxikologie und für Allgemeinmedizin. Inzwischen sitzt sie mehr als anderthalb Jahre im Gefängnis, und ein Ende ist nicht absehbar, dazu weiter unten mehr. Ihr Verbrechen: sie stellte in der Corona-Zeit Maskenatteste, Impfunfähigkeits- und Spucktestbescheinigungen aus.
Es hat praktisch während der gesamten Autofahrt geregnet; kurz vor Chemnitz hört es auf. Ich bin extra eine Stunde früher da und versuche, ein Gefühl für die Situation zu bekommen. Es ist eine hässliche Gegend am südlichen Chemnitzer Stadtrand, in der die JVA steht: graue Hallen für verarbeitendes Gewerbe und Logistik. Auf eines der Hallendächer hat jemand vor ein paar Wochen das Wort „Freiheit“ und dahinter ein rotes Herz gepinselt. Es ist ein Gruß an die inhaftierte Ärztin. Sie kann ihn sehen, wenn sie Aufschluss hat und aus dem vergitterten Fenster im Gang blickt.
Wir hatten uns einige Briefe hin und her geschrieben. Nicht alle scheinen angekommen zu sein. Es ist das erste Mal, dass wir uns persönlich sehen werden. Ich bin der Einzige im Warteraum. Niemand sonst von den rund 250 Insassen des Frauengefängnisses bekommt gerade Besuch. Um kurz vor halb elf öffnet sich eine weitere Tür; ich werde durch eine Sicherheitsschleuse geführt. Ich darf nichts bei mir haben, außer Münzgeld für die Getränke- und Snackautomaten. Meinen Autoschlüssel und mein Telefon habe ich in einem Schrank deponiert. Nun werde ich in den großen, menschenleeren Besuchsbereich gelassen. Von der anderen Seite wird die inhaftierte Ärztin hereingeführt. Sie ist 69 Jahre alt, 1,53 Meter groß und zierlich. Wenn sie zu ihrem Prozess im Landgericht Dresden gebracht wurde, legte man ihr Handschellen an und kettete sie zusätzlich an eine Beamtin. Beim Transport von der JVA zum Gericht wurden auch ihre Füße gefesselt.
Sie zieht uns Getränke am Automaten. Vom Besuchsraum geht es auf eine Terrasse, eingefasst von einer ersten Reihe Mauern. „Wollen wir uns raussetzen?“, frage ich. Inzwischen blinzelt die Sonne durch die Wolken. „Da saß ich noch nie, es war immer schlechtes Wetter.“ Wir gehen raus. Sie hat einen Cappuccino, ich ein Wasser. Wir erzählen uns voneinander und wie wir die Corona-Jahre erlebt haben. Als Pharmakologin und Toxikologin ist sie eine absolute Fachfrau für die Sachverhalte, die bei Corona die Hauptrolle spielten.
Dass Masken nicht vor Ansteckung schützen, war bis 2020 Konsens. Christian Drosten sagte noch am 29. Januar im RBB zur Maske: „Damit hält man das nicht auf!“ Der RKI-Krisenstab hielt am 16.11.2020 schriftlich fest: „Es ist ungünstig und gefährlich, wenn Masken von Laien benutzt werden. Kann noch interveniert werden?“1 Dr. Bianca Witzschel intervenierte. Sie wusste es, der RKI-Krisenstab wusste es: Masken sind nutzlos und gesundheitsschädlich, insbesondere für Kinder, für Schwangere, für Ältere und Kranke. Sie sagt: „Dass werdende Mütter während des Geburtsvorgangs Maske tragen mussten, war unfassbar.“ Die Kinder lagen ihr am Herzen: „Es kamen viele verzweifelte Familien zu mir. Was den Kindern angetan wurde, war ein Wahnsinn.“ Die Kleinsten wurden wahrheitswidrig zu „Treibern der Pandemie“ erklärt, Jan Böhmermann nannte sie in seiner ZDF-Sendung „Ratten“ und schüttelte sich angewidert. Den Kindern nahm das Regime alles: den Kindergarten, die Schule, den Spielplatz, den Sportverein. Sie verschwanden hinter Masken und wurden als Lebensgefahr eingestuft. Frau Dr. Witzschel half, wo sie konnte.
„Primum non nocere“, auf Deutsch: „Zuerst einmal nicht schaden“ ist der Grundsatz jeder Medizin. Für Frau Dr. Witzschel galt dieser Satz. Im Sommer 2020 stellte sie ihr erstes Maskenbefreiungsattest aus. „Ich habe jeden einzelnen Patienten untersucht, auch jedes Baby und jedes Kleinkind. Ich habe mit jedem einen Anamnesebogen ausgefüllt und mithilfe eines Bioresonanz-Gerätes seinen Gesundheitszustand dokumentiert.“ Frau Dr. Witzschel handelte nach geltendem Recht, denn in den Corona-Verordnungen waren ärztliche Maskenbefreiungsatteste ausdrücklich vorgesehen. Eine weitergehende Untersuchung war gar nicht erforderlich, sie machte sie trotzdem. „Ich habe genau dokumentiert, in welchem Zustand der Patient zu mir kam, um bei Wiedervorstellung ablesen zu können, ob sich seine Gesundheit verändert hatte. Diese Unterlagen sind alle beschlagnahmt und mir nie wieder zurückgegeben worden.“ Mit dem Ausstellen von Maskenbefreiungen handelte die Pharmakologin und Toxikologin nicht nur nach geltendem Recht, sondern auch nach „bestem Wissen“, wie es das „Genfer Gelöbnis“ von ihr fordert – aber sie handelte gegen den politischen Willen des Corona-Regimes. Das Problem war: es gab nichts, was eine „Pandemie“ belegte; die Auslastung der Krankenhäuser und Intensivstationen lag auf einem Allzeittief, über 600.000 Beschäftigte im Gesundheitswesen waren in Kurzarbeit, es gab keine Über-, sondern eine Untersterblichkeit. Der RKI-Krisenstab protokollierte nach einem Jahr „Pandemie“, am 19.03.2021: „Corona sollte nicht mit Influenza verglichen werden. Bei jeder normalen Influenzawelle versterben mehr Leute.“ Was blieb, war der betrügerisch eingesetzte PCR-Test, der keine Infektion anzeigen kann, aber die gewünschten Inzidenzen lieferte, und die Maske, die im Alltag jedem zeigen sollte: Es ist „Pandemie“! Jeder Totalitarismus hat sein Symbol, bei Corona war es die Maske. Wer sie nicht trug oder Menschen mit Attesten die Möglichkeit gab, sie nicht tragen zu müssen, geriet ins Visier des Staates. Dr. Walter Weber, ein weiterer politisch verfolgter Arzt (22 Monate auf Bewährung), nannte sie im Interview mit mir „eine Unterwerfungsgeste“.2

Nach dem Ende meines Besuches winkte mir Frau Dr. Witzschel noch lange aus ihrer Zelle zu. Gleich zu Beginn sagte sie mir: „Wenn es uns nicht gelingt, zu Menschlichkeit, Liebe und Frieden zurückzufinden, sind wir umsonst auf der Welt gewesen.“ Fotos: Michael Hauke
Am 28. Februar 2023 wurde die zierliche Medizinerin von schwer bewaffneten Einsatzkräften in ihrem Wohnhaus in Moritzburg verhaftet und noch am selben Tag einem Haftrichter vorgeführt. Was sie nicht ahnen konnte: ein Jahr, drei Monate und 19 Tage U-Haft lagen vor ihr. Ihre geliebte Hündin Donna sah sie an diesem 28.02.23 zum letzten Mal. Sie sagte ihr noch, Frauchen käme abends wieder zurück. Donna starb wenige Monate vor Ende der U-Haft. Bianca Witzschel durfte nicht noch einmal zu ihr, obwohl Donna inzwischen schwer krank war. Richter Jürgen Scheurig wurde darum gebeten, er lehnte ab. Am 17. Juni 2024 sprach er das Urteil: zwei Jahre und acht Monate Gefängnis. Derselbe Richter ließ einen dreifachen Vergewaltiger drei Monate vorher auf Bewährung frei. Das Opfer war schwer traumatisiert. Bei Frau Dr. Witzschel gab es kein einziges Opfer.
Die Strafhaft trat sie am 6. Februar 2026 an. Mehr als ein Jahr liegt aktuell noch vor der Ärztin. Sie sagt mir: „Was Sie hier im Besuchsbereich sehen, hat nichts mit der Wirklichkeit in der JVA zu tun. Das kann sich keiner vorstellen, der noch nicht gesessen hat.“ Im Juli wird sie einen Antrag auf Aussetzen des letzten Drittels ihrer Haft auf Bewährung stellen. Frau Dr. Witzschel wirkt während des gesamten Gesprächs sehr stark, keineswegs gebrochen. „Ich weiß ja, warum ich hier bin. Das muss ich durchstehen“, sagt sie. „Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, alles wurde inzwischen durch die geleakten RKI-Protokolle bestätigt. Ich kann mich doch nicht von meinen ,Taten‘ distanzieren, auch wenn das vielleicht Erleichterungen bedeuten würde. Ich habe niemandem geschadet, ich habe niemandem etwas aufgedrängt, ich habe Menschen in aussichtsloser Situation geholfen.“ Es ist in Deutschland gängige Praxis, dass Strafgefangenen das letzte Drittel erlassen wird. Praktisch niemand sitzt die volle Haftstrafe ab. Ob sie die Gefahr sieht, dass sie innerlich zusammenbrechen könnte, wenn ihr Antrag auf vorzeitige Entlassung abgelehnt wird, frage ich sie. „Das denke ich nicht. Ich bin innerlich gefestigt. Bei Heinrich Habig haben sie den Antrag auch abgelehnt.“ Sie spricht von dem Arzt aus Recklinghausen, der ebenfalls in Haft sitzt; sein Urteil lautete: zwei Jahre und zehn Monate. „Natürlich hoffe ich sehr, dass ich im Juli nach Hause komme.“
Allerdings gibt es ihr eigentliches Zuhause nicht mehr. Am 1. Februar 2022 wurde ihre Approbation ruhend gestellt. Da die Ärztin keinerlei Einnahmen mehr erzielen durfte, keinerlei staatliche Unterstützung erhält und obendrein 47.000 Euro Strafe zahlen musste, wurde ihr Haus mit Praxis zwangsversteigert. Sie steht mit 69 Jahren völlig mittellos und ohne ihr Eigenheim da.
Zu ihrer Verurteilung führte auch, dass sie Patienten mit Attesten vor den schmerzhaften und gesundheitsschädlichen Corona-Tests weit oben in der Nase schützte. Sie gab ihnen die Möglichkeit zum schmerzfreien und ungefährlichen Spucktest. „Ich habe über Substanzen im Speichel promoviert. Ein Spucktest ergibt dasselbe Ergebnis wie die gängigen Nasentests. Und trotzdem bin ich auch dafür verurteilt worden.“
Mit Impfunfähigkeitsbescheinigungen (IUB) attestierte sie Patienten eine Kontraindikation gegen die mRNA-Injektionen. Sie half damit Menschen, die berechtigte Sorge vor der Covid-Spritze hatten. Allein in den ersten zweieinhalb Monaten nach der Notfallzulassung registrierte BioNTech/Pfizer 1.223 Todesverdachtsfälle durch den eigenen Impfstoff (Interner Pfizer-Sicherheitsbericht vom 28.02.2021)3
Ein Jahr und viele Impftote später sprach Gesundheitsminister Lauterbach noch immer von einer „nebenwirkungsfreien Impfung“ (19.02.2022). Wie viele Menschen Frau Dr. Witzschel mit IUBs nicht nur vor Arbeitsplatzverlust, sondern auch vor schweren Nebenwirkungen oder gar dem Tod bewahrt hat, lässt sich nicht beziffern. Es dürften einige gewesen sein. Geschadet hat sie jedenfalls niemandem. Die Staatsanwaltschaft konnte keinen einzigen Geschädigten präsentieren. Trotzdem sitzt sie in Haft, während die Hersteller eines Impfstoffs, dessen Nutzen in keiner Studie nachgewiesen werden konnte, der aber verheerende Nebenwirkungen mit sich brachte, mit Orden und Auszeichnungen überhäuft werden. Und Karl Lauterbach, Jens Spahn und all die anderen, die Millionen Menschen in diese gefährliche Spritze trieben, laufen frei herum.
Wir reden auch über ihren Alltag in der JVA Chemnitz. Da sie Altersrentnerin ist, muss sie nicht arbeiten. Kurz vor sechs ist Wecken. Durch die knallenden Türen hört sie die Wärter schon lange, bevor sie ihre Zelle aufschließen. „Ich muss dann als Zeichen, dass ich noch lebe, höflich ,Guten Morgen‘ sagen. Wenig später ist Aufschluss, und ich kann an mein kleines Kühlfach gehen und mir mein Frühstück machen. Es gibt in der Regel eine Doppel-Semmel, dazu einen Klecks Marmelade.“ Sie muss in ihrer Zelle essen. Den Tag über verbringt sie viel Zeit mit dem Beantworten von Post. Über ihren Haftalltag schreibt sie Briefe an ihre Katze Mutzel. Die „Mutzel-Briefe“ sind auf der Seite www.freundeskreis-seniorenhilfe.de veröffentlicht.
Bianca Witzschel war während der Corona-Jahre für viele verzweifelte Menschen ein Licht in dunkler Nacht. Jetzt sitzt sie selbst in dunkelster Nacht und weiß nicht, wann sie jemals wieder freigelassen wird. Obwohl man in Deutschland wegen ein und desselben Deliktes nur einmal bestraft werden darf, bahnt sich bei Dr. Bianca Witzschel etwas anderes an. Inzwischen gibt es eine weitere Anklage, mit der sie wegen 349 weiterer Atteste derselben Art vor Gericht gestellt werden soll, nachdem sie bereits für 1.003 Atteste verurteilt wurde.
Ganz am Anfang unseres Gespräches sagte sie mir, dass es unsere gemeinsame Aufgabe sei, dafür zu arbeiten, dass es endlich anders kommt: „Wenn es uns nicht gelingt, zu Menschlichkeit, Liebe und Frieden zurückzufinden, sind wir umsonst auf der Welt gewesen.“
Wir hatten eine Stunde, es war eine intensive Stunde. Kurz nach Ablauf der Zeit erschien der Besuchsdienst und wies uns auf die Uhrzeit hin. Wir nahmen uns in den Arm; sie wurde wieder eingeschlossen, ich ging zur anderen Seite raus. Erleichtert, wie stark sie ist. Bedrückt, wie sie gefangen gehalten wird. Und wütend, was einer menschlichen Medizinerin in unserem Land angetan wird.
1 Die RKI-Files sind voll von Kritik, Zweifeln und Verzweiflung über die Masken. Viele Zitate aus den RKI-Protokollen finden Sie hier: „Die Masken in den RKI-Protokollen“ (Ausgabe 22/25 vom 22.10.2025) – www.hauke-verlag.de/die-masken-in-den-rki-protokollen/
2 „Die Maske war eine Unterwerfungsgeste“ (Ausgabe 03/26 vom 04.02.2026) –
www.hauke-verlag.de/dr-walter-weber/
3 „Cumulative Analysis of Post-Authorization Adverse Event Reports of PF-07302048 (BNT162b2) Received through 28-Feb-2021“ – https://archive.org/details/cumulative-analysis-of-post-authorization-adverse-event-reports-of-pf-07302048-bnt162b2
Wer Bianca Witzschel schreiben möchte:
Dr. Bianca Witzschel – JVA Chemnitz – Thalheimer Str. 29 – 09125 Chemnitz
(für Antworten Postcodes, aber keine Briefmarken [!] beilegen)
Wer für Dr. Bianca Witzschel spenden möchte, bitte an diese Bankverbindung. Hier gehen 100% an die inhaftierte Ärztin:
Freundeskreis Seniorenhilfe
IBAN: DE71 6905 0001 0026 9630 09
Ihr neuer Wahlverteidiger, RA Wilfried Schmitz, der hochkompetent im Thema Corona steckt, hat das Mandat übernommen, obwohl Frau Dr. Witzschel völlig mittellos ist. Wer für die so wichtige Verteidigung spenden möchte, kann das hier tun:
Wilfried Schmitz
IBAN: DE78 3706 9412 5002 4440 13


