von Jan Knaupp

Erinnern Sie sich noch an die Zeit der großen Samstagabendshows? Ich meine nicht die heutigen flachen Plagiate, ich meine die Originale, die sogenannten „Straßenfeger“ der 80er Jahre. „Verstehen Sie Spaß?“, „Wetten dass..?“ oder auch „Ein Kessel Buntes“, die deutsche demokratische Showwaffe des Arbeiter- und Bauernstaates gegen das Westfernsehen, fesselten die geneigten Fernsehzuschauer in regelmäßigen Abständen vor den TV-Geräten. Damals war der Fernsehabend am Samstag noch ein freudig erwarteter Show- und Familienabend. Paola und Kurt Felix, Frank Elstner, Thomas Gottschalk, Heinz Quermann, Helga Hahnemann u.a. sei es gedankt.
In vielen Familien wurden diese Höhepunkte der deutschen Unterhaltungskultur gefeiert und zelebriert. Man versammelte sich am Abend voller Vorfreude vor dem heimischen Flimmerkasten, die Monatsration an Bad Liebensteiner Salzstangen und Wurzener Erdnussflips machte den Abend auch knabbertechnisch zu einer Besonderheit. Das ostdeutsche Vollbier perlte in Vatis Biertulpe, der Rosenthaler Kadarka verzauberte Mutti, Kinder wurden mit süßem Doppelcaramel oder Cola-Sirup zum Selbstanmischen verwöhnt. Über diesem feierlichen Szenario waberte der Zigarettenrauch der Marken Cabinet oder f6.
So, jetzt habe ich Sie ein Stück in die Vergangenheit mitgenommen. Aber keine Angst, ich versinke in dieser Kolumne nicht in eine verklärte Nostalgie oder pfeife gar die „Früher war alles besser“-Melodie. Auch wenn in den Erinnerungen die negativen Aspekte weiter in den Hintergrund gerückt sind, während die positiven Momente mehr Platz einnehmen – aber die damalige Zeit war nicht wirklich besser. Kalte und heiße Kriege, atomare Aufrüstung, Ideologie vor gesundem Menschenverstand, parteipolitische Verzerrung der gesellschaftlichen Wirklichkeit, Politik gegen die eigenen Bürger – es hat sich wirklich leider nicht allzu viel verändert! Aber an den Abenden der großen TV-Shows war es in den kleinen Wohnzimmerwelten für einen kurzen Moment unbeschwert und friedlich.
Und damit bin ich bei der großen Samstagabendshow vom vergangenen Wochenende. Stichwort „Eurovision Song Contest“. Der ESC – geplant als eine Veranstaltung für ein geeintes Europa, ein Friedensprojekt durch Musik und kulturellen Austausch. Doch die Realität sieht anders aus. Der ESC – eine umstrittene Hochsicherheitsveranstaltung als Plattform und Showbühne für Hass, Ideologie, Boykott, Schmähungen und Sexismus. Ein alljährliches Treffen peinlicher Selbstdarsteller und armseliger Buh-Rufer. Der ESC – eine Veranstaltung zum Fremdschämen! Aber wohl nicht peinlich genug. Schließlich spendierte das deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunksystem dafür auch in diesem Jahr wieder ca. 620.000 Euro. Aber großzügige Gebührenverschwendungen stellen ja bekanntlich für den ÖRR keine Probleme dar. Wer sich mit Zwangsgebühren finanzieren lässt, scheint auch keine Skrupel bei der Verwendung und Verschwendung dieser erbeuteten Gelder zu haben. Erst erzwungen, dann verschleudert!

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