– Anzeige gegen Schulleiter wegen Tätlichkeit und versuchter Körperverletzung –

Da die Spree-Grundschule seit Jahren nicht fertig wird, sollen 56 Erstklässler nun in der Spree-Oberschule eingeschult werden. Die Fünf- und Sechsjährigen wären die mit Abstand Jüngsten. Der Rest ist zwischen zwölf und 17 Jahren alt; mit all den Problemen, die Heranwachsende und unterschiedliche Kulturen mit sich bringen. In den vergangenen drei Jahren gab es elf Polizeieinsätze am Campus. Dieses Umfeld wollen die Eltern ihren kleinen Kindern ersparen. Aber vom Landkreis, dem Schulamt und der Oberschule selbst fühlten sich die Eltern erst hingehalten und dann verschaukelt. Sie gründeten die Initiative Schulanfänger 2026 und suchten Hilfe bei Bürgermeister Matthias Rudolph, entwickelten mit ihm konstruktive Alternativkonzepte und luden ihn zur Elternversammlung am 15. Juni in die Spree-Oberschule ein.
Dort kam es zum Eklat. Als der Bürgermeister gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der Stadtverwaltung ankam, versperrte ihm Schulleiter Jens Wernicke den Weg, schrie ihn an, verwies ihn des Schulgeländes und wendete – nach Aussage von Matthias Rudolph – sogar körperliche Gewalt an: „Als ich Frau Meyer-Grunewald vom Landkreis die Hand geben wollte, verpasste er mir einen Bodycheck, indem er seine linke Schulter in mich reinrammte. Dazu muss man die Größenverhältnisse sehen. Der Mann ist ungefähr zwei Meter groß und wiegt 120 Kilo.“ Der körperlich deutlich kleinere Bürgermeister erstattete Anzeige bei der Polizei; das wird dann der zwölfte Einsatz der vergangenen drei Jahre gewesen sein. Die Situation, die Rudolph schildert mutet bizarr an: „Die Schulrätin Frau Hoffmann fragte immer wieder, was ich hier wolle, und der Schulleiter brüllte mich unentwegt an, ich solle das Gelände verlassen. Ein groteskes Wechselspiel.“ Zwei Tage nach der Attacke formuliert es Rudolph so: „Wenn man sich das Verhalten des Schulleiters anguckt, seine Körpersprache und seiene Aggressivität, dann muss man sich nicht wundern, dass die Spree-Oberschule einen solchen Ruf hat. Wenn er die Schule genauso führt, wie er dort aufgetreten ist, dann ist das eine schlüssige Erklärung.“
Trotz mehrfacher Nachfrage wollte Schulleiter Wernicke dem Hauke-Verlag keine Stellungnahme übermitteln. Unsere Fragen lauteten unter anderem:
„Gab es eine körperliche Auseinandersetzung mit dem Bürgermeister?
Warum haben Sie dem Bürgermeister den Zutritt zur Elternversammlung verwehrt und ihm ein Hausverbot erteilt? (Falls etwas nicht stimmen sollte, was in den Fragestellungen impliziert ist, teilen Sie das bitte mit.)“
Nach den Erlebnissen bei der Elternversammlung dürften die Eltern erst recht skeptisch sein, ob das die richtige Schule für ihre Kinder ist. An­drea Schönert von der Elterninitiative Schulanfänger 2026, sagte der FW: „Ein weiterer Punkt, der uns große Sorgen bereitet, ist die immer wieder genannte pädagogische Begründung, wonach gemeinsames Lernen mit älteren Schülern entwicklungsfördernd sei. Grundsätzlich bestreiten wir nicht, dass Kinder von älteren Vorbildern profitieren können. Kinder übernehmen durch Beobachtung Verhaltensweisen, Sprache, Einstellungen und soziale Normen. Vorbilder können positives Verhalten fördern. Problematische Vorbilder oder belastende Situationen können jedoch ebenso Unsicherheit, Angst oder unerwünschte Verhaltensanpassungen auslösen. Deshalb reicht aus unserer Sicht die bloße Theorie nicht aus. Wir erwarten eine nachvollziehbare Begründung, warum das Konzept gerade an diesem konkreten Standort funktionieren soll und welche Maßnahmen negative Einflüsse verhindern.“
Über die Kommunikation ist An­drea Schönert erschüttert: „Zusätzliche Zweifel entstehen durch widersprüchliche Aussagen zur Sicherheitslage. Auf die Frage nach Polizeieinsätzen an der Spree-Oberschule erklärte der Landkreis, es habe in den vergangenen Jahren keine Einsätze in der Schule gegeben. Eine direkte Auskunft der Polizei zeichnet jedoch ein anderes Bild.
Dort ist von elf Einsätzen in bzw. im Umfeld der Schule innerhalb der letzten drei Jahre die Rede. Uns geht es dabei nicht darum, die Schule pauschal als Problemstandort darzustellen. Problematisch ist für uns vielmehr die Kommunikation.“
Die Eltern waren es, die in ihrer Verzweiflung Kontakt zum Bürgermeister aufnahmen. Andrea Schönert erzählt: „Nachdem wir von allen nur hingehalten wurden, suchten wir Rat beim Bürgermeister Matthias Rudolph. Er zeigte ohne Zögern Verständnis für unsere Bedenken und bot seine Unterstützung an. Besonders wichtig war für uns, dass er nicht nur Verständnis äußerte, sondern aktiv über Alternativen nachdachte.
Als mögliche Übergangslösungen wurden unter anderem die Pneumant-Sporthalle sowie der Hort Anne Frank diskutiert. Beide Standorte würden aus unserer Sicht entscheidende Vorteile bieten: Die Kinder könnten in einer altersgerechten Umgebung lernen, Mobiliar für Erstklässler ist ohnehin vorgesehen, und Schule sowie Betreuung könnten an einem Ort stattfinden.
Das würde nicht nur den Alltag der Kinder erleichtern, sondern auch organisatorische und finanzielle Vorteile bringen. Zusätzliche Betreuungskräfte für Begleitung und Aufsicht wären weitgehend überflüssig, Wege würden entfallen, und aus unserer Sicht müssten weniger kostenintensive Umbaumaßnahmen vorgenommen werden.“
Kommentierende Schlussbemerkung: Es gab also durchdachte Konzepte, die es wert wären, in Erwägung gezogen zu werden, zumal Sechsjährige einfach nicht auf eine Oberschule gehören, ganz egal, ob sie vielleicht sogar ein Brennpunkt sozialer Probleme ist und der Schulleiter beim Umgang mit Menschen, die ihm nicht passen, wenig pädagogisch wirkt.
Hier soll vom Landkreis, vom Schulamt und vom Schulleiter offensichtlich etwas durchgezogen mit aller Gewalt werden, wogegen viele Eltern berechtigte Einwände haben.
Wobei die Worte „mit aller Gewalt“ nach den Vorfällen am Rande der Elternversammlung eine zusätzlich unangenehme Bedeutung bekommen haben.
Michael Hauke

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