Foto: Victoria Fleischer

Fürstenwalde. Der Hort „Sternschnuppe“ in Nord ist dicht. Der plötzlich hohe Krankenstand der Betreuer führte schlussendlich zur Schließung seitens der Stadt, eine sichere Betreuung sei nicht mehr möglich. Seit Donnerstag, dem 06.06.24 stehen die Eltern der Frage gegenüber, wie kann ich mein Kind betreuen bzw. betreuen lassen. Eltern und auch nicht betroffene Bürger demonstrierten am 13.06.24 vor dem Rathaus gegen den Beschluss und forderten die Wiederöffnung des Hortes oder alternative Angebote. Der heftige Schlagabtausch mit dem Bürgermeister Matthias Rudolph blieb an diesem Tag ergebnislos.
Ist der Personalmangel oder doch die Gewaltbereitschaft als tatsächliche Ursache erkennbar? Sehen wir hier ein generelles Thema in Kitas und Hortbereichen? Ein gesellschaftliches Unterfangen, Gewalt unter den Kindern, Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Erwachsenen, eine neue Normalität?
Was, wenn das Personal am Ende seiner Kräfte ist, dem Druck nicht mehr Stand halten kann? Wer möchte dann noch mit Kindern, auch insbesondere mit „schwierigen“ Kindern liebevoll umgehen und arbeiten? Die aktuelle Situation zeigt ein grundsätzliches Dilemma für Eltern, Kinder und Erzieher.
In Kitas und Hortbereichen ist vermehrt zu beobachten, dass Kinder enorme Sprachbarrieren aufweisen, unkonzentriert sind, ein massiver Verfall der deutschen Sprache. Im Spiel miteinander werden Kriegsszenarien nachgestellt oder mit Spielzeugautos Unfälle nachgeahmt, zerstört. Das Aggressionspotential steigt, wer soll das auffangen?
Ein Erzieher möchte beispielsweise gern Werte vermitteln, die Arbeit am Kind ist jedoch nur reduziert möglich, erschwerend kommt hier hinzu, dass ganz nebenbei bürokratische Tätigkeiten wie das Erstellen von Portfolios, welche der Einordnung des jeweiligen Kindes (in Schubladen) dienen. Es bleibt somit weniger Zeit für echte Pädagogik, vor allem auch für Kinder, die einer besonderen Betreuung bedürfen. Erzieher sind kräftemäßig ausgezehrt, am Limit. Hinzu kommt die Ignoranz einiger Eltern, eine Art Lethargie?
Es fehlt Nähe. Stattdessen werden die Kleinsten mit Konsum vollgeballert – vor allem in Form von digitalen Medien. Sie werden lieber vor flimmernden Bildschirmen abgesetzt und mit zu vielen Zuckerprodukten gefüttert. Es scheint sich ein generelles Thema übergreifend nicht nur lokal in sozialen Brennpunkten abzuzeichnen, das alle betrifft – Kinder, Eltern, Erzieher und Träger der Einrichtungen.
Man könnte meinen, dass viele Menschen allgemein nur noch überfordert sind, an ihre körperlichen und mentalen Grenzen gehen, einfach nur funktionieren, abgekapselt, getrennt von sich, vom echten Leben, ein Leben in Verbundenheit. Ein zukunftsweisendes Szenario?
Am Ende bleibt die Frage, wo steuern wir hin, wollen wir wirklich so miteinander leben?
Bianca Laube

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