Von Michael Hauke

Es ist schon ein paar Jahre her. Ich fuhr mit dem Auto durch Berlin. Die großen Straßen sind in der Hauptstadt mit Anzeigetafeln bestückt, die die Verkehrsteilnehmer auf Störungen oder Beeinträchtigungen hinweisen. Ich las dort: „Achtung! Radfahr-Ende!“ Ich guckte nach rechts, um aufmerksam zu sein, wenn der Fahrradweg endet und die Radfahrer auf die Straße geleitet werden. Ich sah aber nichts. Vielleicht kommen sie von links? Auch nicht. Wieder und wieder sah ich diese Warnung, bis mir irgendwann ein Licht aufging. Der Senat von Berlin wollte mich auf Fahrradfahrer aufmerksam machen. Ich las ein Ende, dass so gar nicht gemeint war. Mit der fürchterlichen Genderei war ich damals noch nicht so richtig vertraut. Aber das Radfahr-Ende war nur der Anfang vom Ende unserer deutschen Sprache. Aus den Studenten wurden Studier-Ende, aus Mietern Miet-Ende und aus Mitarbeitern Mitarbeit-Ende. Zuschauer sind jetzt Zuschau-Ende und Anwohner Anwohn-Ende. Verkehrsteilnehmer werden Verkehrsteilnehm-Ende genannt. Solche Verhohnepipelungen der deutschen Sprache lese ich tagtäglich in den Pressemitteilungen der Behörden. Und es gibt praktisch nichts, wovor das allgegenwärtige „Ende“ Halt macht.
Forscher müssen Forsch-Ende genannt werden. Spätestens seit Corona ist klar, warum. Denn Corona markierte das Ende der seriösen Forschung und das Sichtbarwerden der gekauften, korrumpierten Wissenschaft. Ein echtes Forsch-Ende.
Viele Bäcker sind aufgrund der Energiewende und der daraus folgenden Preisexplosion wirtschaftlich am Ende, aber sind sie deswegen Back-Ende? Holen Sie sich Ihre Schrippen und Ihr Brot also politisch korrekt bei einem Backenden? Oder gehen Sie als Ewiggestriger immer noch zum Bäcker – und bestellen vielleicht sogar einen Mohrenkopf? Wie heißt der jetzt eigentlich? Mohrenköpfender wird es ja wohl nicht sein; da würde dem Kaufenden ja der Enthauptende aus Belfast in den Sinn kommen. Und das wäre ja dann wieder ein Ende, das gar nicht gemeint ist. Also unbedingt aufpassen beim Gendern! Einmal zu viel, und es kann ungemütlich werden.
Eigentlich sollte man diesen Quatsch ganz lassen, denn das Partizip Präsens bezeichnet in der deutschen Sprache immer nur den Moment. Man kommt lachend ins Zimmer, ist also nur in diesem Augenblick ein Lachender. Ein Busfahrender ist schon dann keiner mehr, wenn er aussteigt und eine Pause macht. Sein Beruf ist und bleibt Busfahrer!
Und ein Student ist, bis er die Universität verlässt, eben ein Student, aber nur ganz selten (manchmal nie!) ein Studierender. Und ein Bäcker ist eben ein Bäcker und nur dann ein Backender, wenn wir ihn gar nicht sehen. Schon auf dem Lokus ist er ein Kackender und kein Backender.
Sie verstehen, was ich meine. Dafür muss man nicht wissen, dass es sich bei dieser unsäglichen Genderei grammatikalisch um das Partizip Präsens handelt. Es reicht, wenn man spürt, dass jedes Mal die Sprache vergewaltigt wird, wenn so etwas gesagt oder geschrieben wird. Von Sternchen mitten im Wort und der Endung „innen“ möchte ich gar nicht anfangen. Das hat alles nichts mit Sprache zu tun. Das ist Ideologie, die uns vorschreiben will, es gebe unendlich viele Geschlechter, obwohl die Biologie nur zwei kennt. Diese Binsenweisheit gilt für alle Lebewesen, außer für die Menschen. Von Äff*innen oder Affenden hören wir jedenfalls nichts.
Damit komme ich zum in diesem Artikel viel zitierten Ende, liebe Leser – oder sollte ich besser schreiben: liebe Les-Ende?

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