von Jan Knaupp
War man eben noch auf dem Zenit seiner Jugend, scheint man plötzlich rasend schnell in Richtung Altersheim zu rutschen. Dabei fühlt man sich selbst doch noch so jung, irgendwie noch dazugehörig und relativ wenig abgenutzt. Aber das scheint wohl nur ein ganz persönliches Gefühl zu sein – ein ganz persönliches Trugbild. Oder? Während man selbst stolz ist, dass man es altersbedingt größtenteils ohne körperliche Ersatzteile, ohne große gravierende Fehlfunktionen und ohne einen erkennbaren gehirnspezifischen Rückbau bis hierher geschafft hat, scheint das personelle Umfeld bei der Zustandsbegutachtung doch eine andere Sicht auf Alters- und Abnutzungserscheinungen zu haben. So ist es jedenfalls bei mir. Während ich mir selbst, natürlich völlig objektiv und unvoreingenommen, täglich meine jugendliche und dynamische Ausstrahlung bestätige, gibt es vermehrt persönliche Angriffe auf meine Selbsteinschätzung. Ausgerechnet die Menschen, die mir eigentlich ihr Wohlwollen und ihre uneingeschränkte Loyalität schenken müssten, winken mir immer mal wieder mit besagten Zaunpfählen, geben plumpe aber angeblich nett gemeinte Hinweise, auf einen unausweichlich fortschreitenden körperlichen und geistigen Verfall. Ist man 50plus, gilt man als Gammelfleisch. Das prangere ich an, das ist nicht nett!
Gab es bis vor Kurzem zu besonderen Anlässen als Geschenk noch eine gute Flasche edlen Hochprozentigen, eine aromatische Zigarre, einen Gutschein für ein wagemutiges Abenteuer oder eine Einladung zu einer bierseligen Vergnügung, fühlen sich mittlerweile einige Gutmeinende verpflichtet, dem „Alter“ entsprechend zu schenken. Auf den Glückwunschkarten wird einem jetzt zum „unaufhaltsamen Älterwerden (Zwinker, zwinker)“ gratuliert, plötzlich bekommt man statt der guten Pulle Rum nun scheinbar lebensverlängernde Elixiere in den Präsentkorb gepackt. Sogenannte Nahrungsergänzungsmittel sind hier voll im Trend. Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Fettsäuren, Pflanzenextrakte – die Pillendöschen und die altersgerechten Einnahmeempfehlungen gibt es gleich dazu. Das prangere ich an, das ist nicht nett!
Auch diverse Teesorten stehen mittlerweile bei den Schenkenden hoch im Kurs. Bei den Beschenkten dagegen meist weniger. Auf den Teeverpackungen wird dann für den krümeligen Inhalt mit Bezeichnungen wie „Harmonie“, „Schlaf gut“, „Seelenwärmer“ und „Ruhekissen“ geworben. Wer will denn so etwas geschenkt bekommen? Ich nicht! Da fehlt ja letztendlich nur noch „Ruhe sanft“. Das prangere ich an, das ist nicht nett!
Eine beliebte Geschenkidee sind auch die Brain-Power-Smarties. Diese sollen bei Verwirrungen im Oberstübchen helfen. Gehirnunterstützung in Kapselform. Mit Ginkgo, Ginseng, Brahmi und Hericium gegen eine schleichende geistige Umnachtung.
Apropos geistige Umnachtung. Noch weht ja der Berliner Bär auf dem Roten Rathaus in der deutschen Bundeshauptstadt. Ich bin ja mal gespannt, wie lange noch? Sollte DIE LINKE dort einziehen, könnte sich das schnell ändern. Vielleicht flattert ja dann bald wieder Schwarz-Rot-Gold mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz im Wind. Oder kommt dann etwa die rote Fahne mit gelben Hammer, Sichel und Stern, die Palästina-Flagge oder gar gleich die Kampfflagge der Antifa an den Fahnenmast? Armer Bär, armes Berlin! Das prangere ich an, das ist nicht nett!
Übrigens, Grips-Pillen hätten unserem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, im Volksmund mittlerweile Frank-Spalter Steinmeier genannt, sicherlich auch gut getan. Vielleicht hätte er sich dann hin und wieder an das verfassungsmäßige Gebot der Neutralität erinnert, hätte auf parteipolitische Polemik verzichtet und Wähler nicht als Systemfeinde oder Vulgärdemokraten beschimpft. Aber für eine Gehirnunterstützung in Kapselform ist es für ihn jetzt zu spät. Zum Glück endet seine Amtszeit am 18. März 2027. Dann bekommen wir aber ein neues Staatsoberhaupt vorgesetzt – ob wir wollen oder nicht.
Und da wird mir schon wieder angst und bange. Wenn man denkt, schlimmer geht nimmer, muss man erkennen – schlimmer geht immer! Ich höre ihn schon förmlich, den neuen Bundespräsidenten Horst Schlämmer: „Isch kandidiere!“
Das prangere ich an, das wäre nicht nett!
Das prangere ich an, das ist nicht nett!
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