Welche Zukunft hat die Gigafactory in Grünheide?

Grünheides Bürgermeister Arne Christiani möchte den Ausbau des Tesla-Geländes weiter vorantreiben, obwohl die Bürger das in einem Votum mit Zweidrittel-Mehrheit ablehnten und sich dunkle Wolken über dem Elektroauto-Hersteller aus den USA zusammenziehen.
Das Handelsblatt berichtete als erstes, dass weltweit jede zehnte Stelle bei Tesla gestrichen werden solle. Im niegelnagelneuen Werk in Grünheide sollen von den gerade erst eingestellten Mitarbeitern schon wieder mehr als 3.000 entlassen werden. Bei einer Gesamtbeschäftigtenzahl von 12.500 wäre jeder vierte Arbeitsplatz betroffen.
Der Hauke-Verlag hat bei der Agentur für Arbeit nachgefragt: in der Zentrale in Nürnberg, in der Regionaldirektion in Berlin und auch in Frankfurt (Oder). Ergebnis: Die Agentur für Arbeit, die in dauerndem Kontakt mit Tesla steht, weiß von geplanten Massenentlassungen offiziell nichts. Die Zahl von 3.000 konnte niemand bestätigen und wird für viel zu hoch gehalten. Alle Medien hätten vom Handelsblatt abgeschrieben, hieß es – und dort sei nicht richtig recherchiert worden. Der Hauke-Verlag war offenbar der erste, der diese Zahlen direkt bei der Arbeitsagentur verifizieren wollte.
In §17 Kündigungsschutzgesetz ist geregelt, dass jedes Unternehmen verpflichtet ist, der Agentur für Arbeit Massenentlassungen zu melden. Bei Betrieben mit über 500 Mitarbeitern wird die Anzeige erforderlich, wenn mehr als 30 Angestellte innerhalb von 30 Tagen freigesetzt werden sollen. Tesla müsste also eine „Massenentlassungs-Anzeige“ fertigen – wenn es eigene Mitarbeiter betrifft. Da jedoch viele Leiharbeiter bei Tesla arbeiten, sieht die Sache diffiziler aus. Sie sind nicht bei Tesla direkt angestellt, sondern werden von externen Dienstleistern verliehen. In Grünheide wurden nun die ersten 300 jener Stellen gestrichen.
Tesla ist in Schwierigkeiten, das steht fest. Sie sind zum einen hausgemacht, weil die Produktpalette nicht modernisiert wurde und es noch immer kein Modell für den kleineren Geldbeutel gibt. Die Tesla-Zulassungszahlen kannten bislang immer nur eine Richtung: nach oben. Das hatte mit hohen staatlichen Subventionen zu tun und damit, dass das vermeintlich bessere Konkurrenzprodukt, nämlich der Verbrenner, verboten werden soll. Die hohen Förderungen sind bereits komplett gestrichen, das Verbrennerverbot steht inzwischen auf der Kippe. Folge: die Verkaufszahlen stürzen ab. In dieser schwierigen Situation holen auch noch die anderen Hersteller auf; VW hat seine ID-Modelle etabliert – und aus China drängt der staatlich subventionierte und daher viel billigere BYD auf den Markt, was Tesla weltweit in Bedrängnis bringt. Der Tesla-Anteil bei E-Autos ist einem ohnehin schwindenden Markt auf schmale 15% eingebrochen. Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sagte bei n-tv: „Die E-Mobilität geht in Deutschland und den USA in die Knie!“ In Neuhardenberg kann man bis zum Horizont die in Grünheide produzierten, aber nicht verkauften Teslas bestaunen.
Wie es mit Tesla weitergeht, ist in keinem Falle mehr so sicher, wie noch vor Jahren. Was aus dem Standort Grünheide wird, erst recht nicht. Bevor vorschnell mindestens weitere 100 Hektar Wald für einen vermeintlichen Tesla-Ausbau abgeholzt werden, sollte man in Grünheide vielleicht drei Schritte zurücktreten und sich die Gesamtzusammenhänge anschauen.
Michael Hauke

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